Sport : Der eingebildete Kranke

Volleyball-Bundesligist SCC hat im Umgang mit Friedrichshafen so manches Problem

Karsten Doneck

Berlin. Der gelbe, postkartengroße Schein lag vor. Eine Krankmeldung, ganz ordnungsgemäß. Also musste Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg ohne Björn Andrae sein Training abhalten. Umso verwunderter reagierte Kaweh Niroomand, der SCC-Manager, als „wir eher zufällig erfuhren, dass Andrae kurz danach bei einem Europacupspiel des VfB Friedrichshafen auf der Tribüne saß“. Andraes Krankheit entpuppte sich als das häufiger mal in Spielerkreisen grassierende Wechselfieber. Der Außenangreifer nutzte seine krankheitsbedingte Auszeit, um mit Friedrichshafen Vertragsgespräche zu führen. Erfolgreich übrigens: Andrae spielt jetzt im dritten Jahr für den deutschen AbonnementMeister. „Es ist sicher nicht Pflicht, uns zu informieren, wenn man Interesse an einem unserer Spieler hat. Aber bei Vereinen wie Bayer Wuppertal oder Mendig ist es selbstverständlich, dass man vorher mal miteinander spricht. Mit Friedrichshafen klappt das leider überhaupt nicht“, sagt Niroomand.

Es ist wahrlich keine Liebesbeziehung zwischen der Nummer eins des deutschen Volleyballs, dem VfB Friedrichshafen, und der Nummer zwei, dem SCC (beide Klubs treffen heute am Bodensee im Bundesliga-Spitzenspiel aufeinander). Da existieren Animositäten, die über die sportliche Rivalität hinausgehen. Stelian Moculescu, VfB-Trainer und zugleich Bundestrainer, und Kaweh Niroomand eint zwar der Wunsch, den deutschen Volleyball weltweit konkurrenzfähig zu machen, aber die gegenseitige Wertschätzung hält sich in Grenzen.

„Der ist überhaupt nicht kommunikationsbereit“, sagt Niroomand über Moculescu. Ein Beispiel: Als Nationalspieler Marko Liefke vom SCC wegen Herzrhythmusstörungen um seine Karriere bangte, soll sich Moculescu nur ein einziges Mal telefonisch bei dem Erkrankten gemeldet haben. „Uns als Verein hat er nicht einmal gefragt, was mit Marko ist und wie wir uns seine Rehabilitation vorstellen“, klagt Niroomand.

Als kürzlich der VfB als verlustpunktfreier Spitzenreiter 2:3 gegen den mit dem SCC um Platz zwei streitenden TSV Unterhaching verlor, witterten die Charlottenburger Absicht. Es hieß, die Friedrichshafener wollten dadurch dem SCC schaden, ihn für die Play-offs in eine ungünstigere Ausgangslage bringen.

Vielleicht rührt das distanzierte Verhältnis zwischen Niroomand und Moculescu auch aus früheren Zeiten. Ende der Achtzigerjahre war der Rumäne Moculescu schon mal Bundestrainer. Zwei andere Vereinstrainer betrieben damals, so wird in Volleyball-Kreisen kolportiert, emsig und letztlich erfolgreich seine Ablösung: Olaf Kortmann in Hamburg und – der damals noch als Trainer in Berlin tätige Kaweh Niroomand.

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