Sport : Der eingewechselte Stammspieler

Pinto überzeugt bei Hertha BSC – und denkt an Abschied

André Görke

Berlin. „Ach, der Axel“, hat Roberto Pinto neulich gesagt und gelächelt, als Ex-Herthaprofi Axel Kruse in der „Bild“-Kolumne „Hier kommt Kruse!“ mal wieder gepoltert hatte, dass Hertha BSC den Klassenerhalt gar nicht schaffen könne – mit Fußballern wie diesem Roberto Pinto, der einen Haarreifen trage.

Pinto, 25, hat sich schon vieles anhören müssen in der Vergangenheit. Mal war es Kruse, der ehemalige Stürmer von Hertha BSC, der ihn als „Weichei!“ beleidigte, mal waren es die Berliner Fans, die ihn beschimpften. Im Sommer läuft sein Arbeitsvertrag nach drei Jahren bei Hertha BSC aus, und bislang haben weder der Klub noch Pinto allzu großes Interesse erkennen lassen, diesen zu verlängern.

Hertha will im Sommer seinen Kader ausdünnen, sich also von Spielern trennen, die nicht mehr sind als Mitläufer. In der Winterpause etwa lag eine Anfrage von Wisla Krakau bei Manager Dieter Hoeneß vor. Der polnische Klub interessierte sich für Bartosz Karwan, der wie Pinto für das rechte offensive Mittelfeld eingekauft wurde, aber dort nie überzeugen konnte. „Wir legen Karwan keine Steine in den Weg“, sagte Hoeneß. Doch Karwan blieb und sitzt weiterhin auf der Ersatzbank, wenn überhaupt.

Seitdem sich Giuseppe Reina, der erst im Winter kam, einen Kreuzbandriss zugezogen hat, kommt zumindest Pinto zum Einsatz, „und er macht seine Sache gut“, sagt Trainer Hans Meyer. In den vergangenen drei Bundesligaspielen ließ er Pinto von Anfang an auflaufen, gegen Hansa Rostock traf er sogar ins Tor. Trainer Meyer nannte Pinto daraufhin „unseren großen Torjäger“, was natürlich ironisch gemeint war, weil Pinto mit 1,70 Meter Körpergröße der Kleinste ist und erst recht kein Torjäger. Es war sein erster Treffer nach drei Jahren.

Am Wochenende bei Herthas 1:0-Sieg gegen Wolfsburg bekam er einen Schlag gegen den Knöchel und musste gestern mit dem Training aussetzen. Doch der Trainer setzt auf ihn, „weil er sehr schnell und ballsicher ist“, sagt Meyer. Das hat Pinto gegen Rostock gezeigt, als er einen Ball aus der Luft nahm, als klebe dieser an seinem Spann.

In den vergangenen Spielen haben die Zuschauer zwar nicht applaudiert, wenn sein Name verkündet wurde, aber sie haben auch nicht gestöhnt. Pinto sagt, dass ihn diese Skepsis „nicht mehr so berührt“. Aber im Übrigen gebe es wenige, die so oft eingewechselt werden wie er. „Ganz so weit weg von der ersten Mannschaft bin ich also nicht.“

Für Pinto kommen die Einsätze in der Bundesliga jedenfalls nicht ungelegen, so kann er sich für einen neuen Arbeitgeber empfehlen. Zuletzt hat er lapidar gesagt: „Geht mal davon aus, dass auch ich nicht im Sommer absteigen werde.“

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