Sport : Der Eingriff des Torhüters

Stuttgarts Thomas Ernst ermöglicht Bochum den 3:1-Sieg

Richard Leipold

Bochum. Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. In der Stadionzeitung des VfL Bochum ist ein lustiges Bild abgedruckt. Es zeigt Abwehrspieler Raymond Kalla, wie er mit einer Polizeikelle „Halt!“ anordnet. Der Verteidiger des VfL Bochum wollte, auf dem Foto jedenfalls, die Stuttgarter aufhalten, die sich nach der Niederlage des FC Bayern in Dortmund sogar eine minimale Meisterschaftschance ausgerechnet hatten. Und Kalla leistete zusammen mit seinen Kollegen ganze Arbeit. 3:1 (1:1) besiegten die Bochumer den VfB, damit ist das Thema Meisterschaft für Stuttgart erledigt. Vor allem aber haben die Bochumer im Abstiegskampf wieder Mut gefasst. Die wochenlange Talfahrt ist erst mal gestoppt.

Nur sah es lange Zeit nicht danach aus. Nach Kevin Kuranyis Führungstor beherrschten die Schwaben Ball und Gegner. Die Bochumer wirkten konfus – bis Thomas Ernst eingriff. Torhüter Ernst, einst selbst Profi beim VfL, ließ sich nach einem Rückpass von Hinkel auf einen Zweikampf mit Vahid Hashemian ein. Dann war der Ball im Tor und Ernst sekundenlang nervlich am Ende (39.).

Dann erst kippte das Spiel. „Das 1:1 geht auf meine Kappe. Ich hätte ganz klar den Ball weghauen sollen“, sagte Ernst. Dennoch hatte der Torwart die grobe Fahrlässigkeit nicht allein zu verantworten. „Kein Vorwurf an Thomas Ernst“, sagte Trainer Felix Magath, „der Ball wurde in die falsche Richtung gespielt.“ So sahen es auch die Fans des VfB. Sie verabschiedeten den Torwart mit aufmunternden Sprechchören. Am Ende erhielt der Torhüter Beifall von beiden Seiten. Die Fans des VfL Bochum, für den Ernst fünf Jahre lang gespielt hatte, sangen: „Gustl, du bist ein Bochumer.“ Gustl ist Ernsts Spitzname.

Der Stuttgarter Regisseur Krassimir Balakow traf noch zweimal die Latte, aber richtig konstruktiv spielte der VfB in der zweiten Halbzeit nicht mehr. Dafür trafen die VfL- Stürmer Hashemian und Christiansen. Damit war der Fall erledigt und Trainer Peter Neururer wieder aus der Schusslinie. Dem hatten treue Fans in der Ostkurve auf einem Transparent mitgeteilt, was Sache ist. „Labern ist Peter, Siegen ist Gold.“ Der Trainer war vielen Anhängern mit seinen ständigen Appellen und Parolen auf die Nerven gegangen. Allerdings hat Neururer auch Anteil daran, dass er so etwas lesen muss. Der Coach hat sich in Zeiten Bochumer Erfolge am Anfang der Saison immer wieder in die Medien gedrängt.

Doch Peter Neururer, der ausgebildete Gymnasiallehrer, ist lernfähig. Nach dem Spiel wünschte der Trainer den Journalisten nur „Frohe Ostern“ und verschwand durch eine Hintertür aus dem Presseraum. Bochums Kapitän Dariusz Wosz schlüpfte deshalb kurz in die Rolle des Vereins-Pressesprechers und zeigte Verständnis für den stillen Protest seines Vorgesetzten. Was der Trainer sage, werde in einigen Zeitungen so verdreht, dass es „so klingt, als würde er sich selber lächerlich machen“.

Derart empfindlich kannte man den Medientrainer Neururer gar nicht. Aber auch das wird schon wieder.

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