Sport : Der einsame Abschied U-21-Trainer Stielike spricht von Rücktritt

André Görke[Mainz]

Der Spaziergang über den Mainzer Stadionparkplatz war der Schlussakt eines traurigen Abends. Ulli Stielike ließ die Tribüne hinter sich, steckte die Hände in die Hosentaschen und lief zu seinem Auto. Der Mannschaftsbus hatte nicht warten können, also blieb Stielike allein in Mainz zurück. Es war nicht das erste Mal an diesem Abend.

Während Stielike, Trainer der deutschen U-21-Nationalmannschaft, über die Autobahn fuhr, sprach sein Vorgesetzter Gerhard Mayer-Vorfelder schon in ein paar Diktiergeräte. „Ich will ihm in die Augen schauen, wenn wir darüber reden“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über seinen Trainer. „Wir sollten zeitnah einen Termin finden.“ Zu reden wird sein über die 1:2-Niederlage des U-21-Teams gegen Portugal, die das Ausscheiden bei der EM im eigenen Land und das Verpassen der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Athen bedeutet. Und vielleicht wird auch über Abschied gesprochen.

Stielike, 49 Jahre alt und seit 1998 beim DFB, kennt das Geschäft zu gut, als hätte er so einen Kommentar nicht schon erahnt. Nach der Niederlage gegen Portugal schlich er in die Kabine und setzte wenig später auf der Pressekonferenz zu einem Monolog an: „Es ist einiges passiert in diesem Turnier, ich muss erst mal meine Gedanken ordnen. Ich fühle mich im Jugendbereich wohl, die U21 ist dagegen schon sehr professionell. Ich weiß nicht, ob ich das gut finde und noch mitmachen will.“ Anschließend ging Stielike über den Parkplatz zum Wagen. War das der Abgang des Trainers?

Am Tag danach hatte Stielike sein Telefon ausgeschaltet. Er wolle seine Ruhe, bald fahre er als Spielbeobachter zur Europameisterschaft nach Portugal, hieß es aus DFB-Kreisen. Die Worte des Präsidenten und vor allem dessen Schroffheit hatten die Führungsriege der U 21 durcheinander gebracht. „Ich kenne die Worte nur aus der Zeitung“, sagte Teammanager Bernd Barutta. „Ich gehe davon aus, dass sich die beiden erst nach der Europameisterschaft treffen werden.“ Zu diesem Zeitpunkt vermeldeten die Nachrichtenagenturen bereits, dass Dieter Eilts ein Kandidat als neuer Trainer sei. Dabei muss Eilts selbst erst beweisen, dass er den Erwartungen gerecht wird. Seine U 19-Nationalmannschaft tritt in einem Monat bei der EM in der Schweiz an. Auch sein Team gilt als ähnlich gut besetzt wie das der U 21. Auch sein Team steht enorm unter Druck.

Als Ulli Stielike am späten Mittwochabend im Mannschaftshotel in Alzey vorfuhr, saßen seine Spieler in der Lobby und warteten. Alle schwiegen, bis auf Stielike. Der redete eine Viertelstunde, verabschiedete sich und ging aufs Zimmer. Das Verhältnis zu den Spielern soll nicht so schlecht sein, wie manchmal zu hören ist. Zwar hatte Torhüter Tim Wiese nach der Niederlage gegen Schweden gemault, er wolle „lieber nichts“ zu den neun Auswechslungen gegenüber dem Spiel zuvor sagen. Doch intern soll das Team vor Anpfiff über diese Rotation diskutiert und sich darauf geeinigt haben. Als Kritik aufkam, wurde der Trainer von keinem Spieler in Schutz genommen. Jetzt wäre es wohl zu spät. Stielike sagt: „Wenn mich jemand zurückstufen will, bricht mir das keinen Zacken aus der Krone.“ Das klang ein wenig beleidigt und noch ein wenig mehr nach Abschied.

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