Sport : Der einzige Freund ist die Heizung

Der Spanier Reyes ist unglücklich bei Arsenal

Raphael Honigstein[London]

Die Heizung ist rund um die Uhr auf 30 Grad eingestellt. José Antonio Reyes verlässt die Wohnung nur noch zum Fußballspielen, denn in London, dieser unwirtlichen Stadt, möchte er sich so wenig wie möglich bewegen. Im Januar 2004 kam Reyes für 25 Millionen Euro vom FC Sevilla nach zum FC Arsenal nach London. „Ich bin der glücklichste und der traurigste Mann der Welt“, sagte der Spanier damals bei seiner Vorstellung. 14 Monate später gilt nur noch letzteres.

Reyes hat keine Freunde in London. Wenn er nicht Playstation spielt, schaut er „Gran Hermano“, das spanische Big Brother. Früher hat er wenigstens ab und zu etwas mit seinen Mitspielern unternommen, doch das ist vorbei seit dem Freundschaftsspiel zwischen Spanien und England. Damals rief ihm der spanische Trainer Luis Aragones auf dem Trainingsplatz zu, er solle der „schwarzen Scheiße“ ausrichten, dass er besser sei. Gemeint war Reyes’ Vereinskamerad Thierry Henry. Die Affäre belastet nicht nur das Verhältnis der Sturmpartner bis heute. Mit dem Zusammenhalt und der Stimmung in Arsenals Mannschaft ist es seitdem nicht mehr weit her. Die Spieler fahren nach dem Training in Colney sofort wieder nach Hause, abseits des Platzes sieht man sich kaum noch. Reyes trägt keine persönliche Schuld für diese unterkühlte Atmosphäre, doch keiner leidet mehr darunter als er.

Nach einem fulminanten Saisonanfang hat Spaniens größtes Talent seine Form verloren und seit Oktober nur drei Mal für Arsenal getroffen. Ihm fehlt die Heimat und vor allem die familiäre Geborgenheit, die ihm der FC Sevilla bot. Seit seinem neunten Lebensjahr hatte der Junge aus dem kleinen andalusischen Städtchen Utrera dort gespielt, bis zuletzt schlief er sogar in der Bettwäsche des Vereins. In Sevilla reifte der inzwischen 21-Jährige zu einem tollkühnen Dribbler und einem Symbol des Klubs.

Als Arsenals Vize-Vorsitzender David Dein ihn vor 14 Monaten in Sevilla abholte, versuchten hunderte aufgebrachte Fans, das Auto aufzuhalten. Reyes verabschiedete sich unter Tränen von seiner Mutter und rief ihr noch zu: „Bete für mich!“ Dein hatte so starke Emotionen noch nie erlebt: „Es war ein wenig Furcht erregend.“ Wie traumatisch der Transfer für Reyes letztlich sein würde, konnte Dein jedoch nicht absehen.

Vor vier Wochen hat José Antonio Reyes einem spanischen Radiosender verraten, dass er liebend gern zurück nach Spanien wechseln würde, am liebsten zu Real Madrid. Dort würde er auf jeden Fall eine Menge Heizkosten sparen.

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