Sport : Der Eiskunstsprinter

Robert Seifert siegte als bisher einziger Deutscher im Shorttrack-Weltcup – er begann beim Ballett.

Matthias Scheffler
Auf den ersten Metern. Robert Seifert (links) lebt von seiner Explosivität.Foto: dpa
Auf den ersten Metern. Robert Seifert (links) lebt von seiner Explosivität.Foto: dpaFoto: dpa

Dresden - Am besten komme er von links, schön zackig, und dann so bremsen, dass die Kufen zu hören seien. So will es der Fernsehsender. Robert Seifert sammelt derzeit Erfahrungen mit Öffentlichkeit und Medien. Aufnahmen hier, Aufnahmen da, und die Nachrichtenagentur wartet auch noch auf den Rückruf.

Dabei stand Shorttrack in Deutschland bisher klar im Schatten von Skispringen, Biathlon oder Bobfahren. Das ist immer noch so. Doch Seifert hat innerhalb von 42 Sekunden seine Disziplin ins Licht gerückt. So lange brauchte er im Finale über 500 Meter für den ersten deutschen Einzelsieg im Weltcup. Das war im Dezember im japanischen Nagoya. Am heutigen Sonntag nun sprinten die weltbesten Kufenflitzer in Dresden um den Sieg im hiesigen Weltcupfinale.

Für Seifert, als gebürtiger Dresdner kein gewöhnlicher Wettkampf. Klar, die Gegner auf dem 111 Meter langen Oval seien dieselben und auch hier entscheide nach viereinhalb Runden auf seiner Lieblingsstrecke meist das Zielfoto. „Ich spüre die Anfeuerung auf dem Eis. Das trägt mich ungemein“, sagt der 25-Jährige. Dabei hat er diese zusätzliche Unterstützung gar nicht nötig. Zumindest nicht auf den ersten Metern. Der Sechste der aktuellen Weltcupwertung gilt als der derzeit beste Starter im Feld und zeigt in jedem Lauf nach der ersten Kurve seinen drei Gegnern meist schon die Fersen.

Diese Explosivität gilt als größter, aber nicht als einziger Trumpf von Seifert. Da gibt es noch seine Vergangenheit als Eiskunstläufer. Als Vierjähriger hatte er damit begonnen, nahm Ballettunterricht, hob Arme, senkte Arme, landete nach Pirouetten auf dem Boden und stand wieder auf. Nach acht Jahren hatte er keine Lust mehr darauf und verfiel dem Geschwindigkeitsrausch des Shorttrack. Das sensible Empfinden für Eis und Schlittschuh nahm er dabei mit. Hinzu kommt ein gehöriges Selbstvertrauen, das Bundestrainer Michael Kooreman enorm schätzt. „Robert geht nicht aufs Eis und hofft, dass alles gut geht. Robert geht aufs Eis und weiß, dass er gewinnen kann.“

Doch Kooreman wäre ein schlechter Coach, würde er nicht auch die Schwächen seines Vorzeigeathleten kennen. Neben der Tempohärte auf der letzten Runde arbeiten sie an Details der Kurvenfahrt und geschickteren Überholmanövern. Der US-Amerikaner traut seinem Sportler die absolute Weltspitze zu. Wie weit die entfernt ist, lässt sich meist gut am Abstand zum Kanadier Charles Hamelin ablesen. Der Olympiasieger und Weltmeister gilt als eigener Maßstab im Shorttrack und hat sich erneut vorzeitig den Gesamtweltcupsieg auf der Sprintstrecke gesichert. „Hamelin läuft seit Jahren auf höchstem Niveau und hat die Gewissheit, auf jede Rennsituation die richtige Antwort zu haben. Genau das fehlt mir noch“, sagt Seifert.

Beim Sieg in Nagoya hatte Hamelin erstmals das Nachsehen. Ein perfektes Rennen von Robert Seifert sei es aber nicht gewesen. Eher ein Start-Ziel-Sieg mit ausreichend Vorsprung auf der Zielgeraden. Seifert mag eben keinen unnötigen Nervenkitzel. „Der Sport birgt genug Gefahren. Wenn ich denen durch meine Schnelligkeit aus dem Weg gehen kann, warum nicht?“, fragt er. Wohl dem, der kann.Matthias Scheffler

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