Sport : Der elegante Brecher

Sven Goldmann

"Ballack breaks Ukraine"

The Independent

Das könnte man frei übersetzten mit: Ballack besiegt die Ukraine, aber die Deutsche Presseagentur hat es gern wortwörtlich: "Ballack bricht Ukraine". Das ist inhaltlich ein wenig irreführend, trifft aber das Feingefühl der englischen Blattmacher ebenso gut wie die ungewöhnliche Rolle, die Michael Ballack am Mittwoch beim 4:1 gegen die Ukraine gespielt hat. Nein, als Brecher war der Mann bisher nicht bekannt. Eher als einer, für den eine Grätsche mindestens genauso schlimm ist wie ein Dreiangel im Gucci-Zweireiher.

Michael Ballack mag solche Vergleiche nicht, er sei schließlich nicht schuld daran, dass er die Leute mit seinen eleganten Bewegungen so sehr an den jungen Beckenbauer erinnere, der sich dem Grätschen auch nicht gerade hingebungsvoll gewidmet hat. "Wenn ich mal nicht gut bin, dann bekomme ich das doppelt und dreifach zu hören." Am Mittwoch war er gut, mit seinem Leverkusener Kollegen Bernd Schneider sogar der beste Deutsche. Drei Tore hat er in den Spielen gegen die Ukraine geschossen, darunter das 1:1 im Hinspiel am Sonnabend und das ebenso wichtige 1:0 im Rückspiel. Mit sechs Toren war Ballack der erfolgreichste deutsche Torschütze in der WM-Qualifikation. "Ballack Ballermann" dichtete die "Bild"-Zeitung. Zum Schluss ist er stolz mit einem blutigen Knie vor die Kameras getreten. Sah verdächtig nach den Folgen einer Grätsche aus.

Solche Augenblicke öffentlichen Wohlwollens hat Ballack nicht oft erlebt - trotz, nein: wegens seines Talents. Als er 1999 von Kaiserslautern nach Leverkusen wechselte, bellte ihm Trainer Otto Rehhagel, der ihn 1997 aus Chemnitz geholt hatte, hinterher: "Der Einwechselspieler Ballack muss noch sehr viel lernen." Ballack sah das offensichtlich anders - fand jedenfalls Christian Ziege nach der missratenen EM im vergangenen Jahr: "Der lässt sich nichts mehr sagen, der ist schon Weltmeister." Wenn in den Zeitungen steht, der FC Bayern sei sich einig mit ihm, lässt er die Bemerkung fallen, dass eigentlich der FC Barcelona sein Lieblingsklub sei.

Ballack weiß um sein schlechtes Image und bemüht sich um Bescheidenheit. Das kommt nach einem guten Spiel wie dem in Dortmund an. Ob er denn seine Karriere der Ausbildung in der DDR verdanke, will einer wissen. Ballack versucht erst gar nicht, den sächsischen Akzent zu kaschieren: "Also, wenn ich mich recht erinnere, ist die DDR nie Weltmeister gewesen." Alles lacht, nicht über, sondern mit Michael Ballack. Auch eine neue Erfahrung.

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