Sport : Der Elfkämpfer

Leichtathlet André Niklaus trägt Berlins Hoffnungen

Klaus Raab

Berlin - Was André Niklaus auffallend gut kann: Stabhochspringen. 1500 Meter laufen. Und: eine gute Figur abgeben. Zehnkämpfer hätten den Sport verfehlt, wenn sie nicht vielseitige Leute wären. Aber dass André Niklaus bei zehn Disziplinen noch nicht aufhört, lenkt das Interesse umso mehr auf ihn. Seine elfte Disziplin: Symbolfigur der Berliner Leichtathletik sein.

Dreieinhalb Jahre vor den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin ist André Niklaus der Athlet aus der Hauptstadt, der im Blickpunkt steht. Was die WM betreffe, sagt er, würde er sich bis dahin gern jedes Jahr um eine Zehntelsekunde über hundert Meter verbessern. Aber ein konkretes Ziel lässt er sich nicht entlocken. Weltmeister werden vor eigenem Publikum? „Ich rechne nicht in Platzierungen, ich rechne in Punkten.“ Wie viele Punkte also? „Dafür ist es zu früh.“ Er lenkt das Gespräch auf die kommende Zeit. Er will bei den Hallenweltmeisterschaften „vor der Haustür, in Moskau“, eine gute Siebenkampfleistung bringen und im Sommer 2006, am besten bei den Europameisterschaften in Göteborg, seine persönliche Bestleistung erreichen. Danach aber: Man werde sehen.

Doch im Hintergrund ist die WM längst ein Thema. „Wir brauchen zur WM lokale Helden“, sagt Reinhard von Richthofen-Straatmann. Er ist Schatzmeister des Berliner Leichtathletik-Verbands (BLV) und will im März BLV-Präsident werden. Das Team Berlin kann eine Chance sein, die Helden aufzubauen. Es besteht aus zehn jungen Leichtathleten, die aus der Hauptstadt kommen oder schon lange hier trainieren. Alle sollen mit einer Förderung in Berlin gehalten werden. Der Olympiastützpunkt, der Landessportbund Berlin und der BLV haben das Team Berlin 2003 ins Leben gerufen und nun, wie jedes Jahr, neu besetzt. André Höhne, WM-Vierter über 20 Kilometer Gehen, Anja Neupert und nun auch Florian Seitz, beide WM-Teilnehmer der 400-Meter-Staffelläufe, gehören dazu.

Doch sie alle stehen im Schatten von André Niklaus. Der 24-Jährige ist in diesem Jahr bei den Weltmeisterschaften in Helsinki Vierter geworden, nur 69 Punkte hinter dem Dritten, mit persönlicher Bestleistung von 8316 Punkten trotz schlechten Wetters. Überdies machte er sich bei seinen Zehnkampfkollegen beliebt, weil er danach nicht einmal auf die Idee kam, Protest einzulegen, obwohl dies zunächst aussichtsreich schien: Der Zweite, Roman Sebrle, hatte während des Wettkampfs eine Glucose-Infusion bekommen, was einige kurzzeitig für regelwidrig hielten. Niklaus sagte, er sei lieber sensationeller Vierter als Dritter durch Protest. Was André Niklaus auch gut kann: fair bleiben.

All das trug zum wachsenden Interesse an ihm bei. Niklaus sagt, das Interesse störe ihn nicht, er hoffe nur, dass es seine Kollegen auch nicht störe. Das tut es offenbar nicht. Jedenfalls nicht Marius Hanniske, den Zweiten der Jugend-Weltmeisterschaften 2004 im Hochsprung und Mitglied des Team Berlin. Er sagt: „Ich gebe derzeit keine Geschichte her. André ist der Mann.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben