Sport : Der Entscheider

Pascal Roller lenkt das Schicksal von Albas Halbfinalgegner Frankfurt

Benedikt Voigt

Berlin - Murat Didin wollte gar nicht mehr aufhören zu klatschen. Der türkische Basketball-Trainer der Opel Skyliners aus Frankfurt hieb unaufhörlich seine Hände ineinander und blickte dabei um sich, als wolle er sicherstellen, dass seine Aktion von den Zuschauern in der Ballsporthalle auch zur Kenntnis genommen wird. Seine Demonstration des Beifalls galt jenem Spieler, den er am Donnerstagabend einige Minuten vor der Schlusssirene ehrenhalber vom Feld beordert hatte: Pascal Roller.

Mit 25 Punkten und sechs Rebounds hat Frankfurts Spielmacher den größten Anteil am 87:62-Sieg über die Artland Dragons und dem damit verbundenen Einzug ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Die Skyliners treffen nun am Sonntag in der Max-Schmeling–Halle (17.15 Uhr, live auf Premiere) im ersten Spiel der Halbfinalserie nach dem Modus „Best of five“ auf Alba Berlin. Eine spannende Serie kündigt sich an, der ehemalige Serienmeister aus Berlin empfängt den amtierenden Meister. Entscheidend wird sein, ob Roller erneut so stark auftrumpfen kann wie im fünften Spiel gegen Quakenbrück. „Ich bin sehr beeindruckt von seinen Führungsqualitäten“, sagt Didin, „aber er kann noch besser spielen“.

Roller ist einer der wenigen deutschen Leistungsträger in der Liga. Mit 14,8 Punkten ist er nach den Leverkusenern Dennis Wucherer und Demond Greene in der Hauptrunde drittbester deutscher Werfer der Liga. Seit Dirk Bauermann Bundestrainer ist, gehört der 28-Jährige wieder zum Kader der Nationalmannschaft. Unter Henrik Dettmann hatte er verärgert seinen Rücktritt erklärt, weil ihn dieser vor der Europameisterschaft 2003 in Schweden ausgemustert hatte. Dettmann hatte gesagt, der 1,80 Meter – unter Basketballern – kleine Roller sei Flügelspieler und kein Aufbauspieler. Seitdem beweist Roller in jeder Saison eindrucksvoll, dass der ehemalige Bundestrainer mit dieser Einschätzung mehr als daneben lag.

Pascal Roller ist der Entscheider im Team der Frankfurter. Am liebsten würde ihn Didin gar nicht vom Feld nehmen, in den fünf Viertelfinalspielen spielte er durchschnittlich 37 von 40 Spielminuten. Er bestimmt das Tempo, setzt Mitspieler spektakulär in Szene und punktet von der Dreipunktelinie. Am Donnerstag traf er 68 Prozent seiner Würfe hinter der 6,25-Meter–Linie, eine Quote, die mancher Basketballer nicht einmal von der Freiwurflinie schafft. Allerdings ist sein Team auch sehr von seinen Würfen abhängig. Trifft er nicht, wie bei den Auswärtsniederlagen in Quakenbrück, fehlt der Frankfurter Offensive ein wichtiges Element, und die Verteidigung kann sich darauf konzentrieren, Frankfurts besten Werfer, Chris Williams, unter dem Korb zu stoppen. „Wir sind noch nicht da, wo wir zu diesem Zeitpunkt in der Saison sein wollten“, sagt Roller.

Er wirkt in der Liga wie ein Anachronismus aus den Achtzigerjahren, als Basketball noch als Hochschulsport galt. Längst sind alle Spieler Vollprofis, mancher trägt Tattoos und nimmt, wie Stefano Garris, ein Hip-Hop-Video auf. Pascal Roller aber ist „Old School“, wie Garris sagen würde. Er studiert Sport und Englisch auf Lehramt. Unvorstellbar, dass er sich ein Tattoo auf den Oberarm stechen lässt. Die Basketballzeitung, das Promotion-Organ der Liga, das sonst gerne kraftvolle Jungs zeigt, hatte bei seinem Titelbild eine besondere Idee: Man setzte ihm einen Doktorhut auf den Kopf.

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