Sport : Der Entwicklungshelfer

Kapitän Mithat Demirel führt das neue Basketballteam von Alba Berlin – auch abseits des Spielfeldes

Helen Ruwald

Berlin – Seit gerade einmal zweieinhalb Wochen ist Mithat Demirel der neue Spielführer von Alba Berlin und übt sein Amt schon äußerst gekonnt aus. Er riss den Basketballbundesligisten nach endlich überstandenen Knie- und Rückenproblemen, die ihn fast die ganze abgelaufene Saison behinderten und mental zermürbten, in Testspielen mit wie in alten Zeiten. Und er vermag sich diplomatisch zu artikulieren. Er äußert sich fast schon penetrant positiv zur jetzigen Mannschaft – so positiv, dass man herauszuhören kann, was in der vergangenen Saison alles im Argen lag, ohne dass Demirel Interna ausplaudern muss. „Die Neuen haben sich voll reingehängt, die Atmosphäre im Trainingslager war positiv und die Kommunikation ist sehr gut“, sagt der 26-Jährige vor dem Saisonbeginn in der Basketball-Bundesliga heute gegen die EWE Baskets Oldenburg (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Damals schied das Team mit einer Ansammlung mehr oder weniger egoistischer Individualisten nach sieben Meistertiteln in Folge im Halbfinale aus. Anschließend trennte sich der Verein von sechs Spielern und verpflichtete sechs neue. Der kroatische Nationalmannschaftskapitän Matej Mamic „zeigt Einsatz wie kein anderer“, sagt Demirel, Michael Wright „gibt 100 Prozent bei jedem Spiel und Training“ und der 19-jährige litauische Junioren-Weltmeister Martynas Mazeika „ist einer, der immer will, manchmal auch zu viel“. Tugenden, die Alba in der abgelaufenen Saison fehlten, so dass das eine oder andere Spiel mit bis zu 30 Punkten Unterschied verloren ging. Die Mannschaft wehrte sich nicht gegen das Debakel, „selbst wenn wir Meister geworden wären, wäre ein Schnitt notwendig gewesen“, sagt Demirel.

Mehrere Spieler konnten einfach nicht miteinander. Auch nicht Demirel und der zweite Aufbauspieler DeJuan Collins, der sich immer wieder in Einzelaktionen verzettelte und inzwischen nach Griechenland gewechselt ist. Es spricht für sich, dass Demirel sagt, „ich weiß nicht, was für ein Typ Collins ist“, aber sehr wohl weiß, dass dessen Nachfolger Gerald Brown, mit dem er erst seit wenigen Wochen gemeinsam trainiert, „kein Typ ist, der in jedem Spiel 20 Punkte machen will und muss“.

Demirel, einer von nur noch drei Deutschen im Team neben Stefano Garris und Guido Grünheid, ist der dienstälteste Spieler, 1996 kam er zu Albas Kooperationspartner TuS Lichterfelde. Nun soll er helfen, die sechs neu verpflichteten Ausländer zu integrieren, damit die Mannschaft den Meistertitel zurückholt.

Damit das gelingt, hält der Nationalspieler mehrere Dinge für unabdinglich, die sich Alba nach den Wirren der vergangenen Saison erst wieder aneignen musste: Im Training müsse Konkurrenzkampf herrschen, „da muss es knallen, aber danach muss man wieder normal miteinander reden können“. Und „wir müssen auf dem Feld unser Potenzial abrufen, dazu müssen wir keine dicken Freunde sein. Aber wir müssen an einem Strang ziehen.“ Und miteinander arbeiten statt neben- oder gar gegeneinander. Ob die Spieler tatsächlich so gut zusammenpassen, wie es jetzt den Anschein hat, wird sich freilich erst im Laufe der Saison zeigen. Wenn es einmal nicht gut läuft.

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