Sport : Der Entwicklungshelfer

Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann hat aus der Nationalmannschaft das Maximale herausgeholt

Benedikt Voigt

Belgrad - Am Samstagvormittag brachte die deutsche Basketball-Nationalmannschaft Dirk Bauermann zum Lachen. Der Bundestrainer stand in der leeren „Belgrad Arena“ an der Seitenlinie und amüsierte sich über den Jubel jener sechs Spieler, die gerade im Training als Erstes 15 Treffer erzielt hatten. Wolfgang Brenscheidt beobachtete die Szene von der Tribüne aus. „Aufgepasst“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Basketball-Bundes, „jetzt kommt gleich wieder das Fußballerfoto.“ Tatsächlich ging Marko Pesic wenig später in die Hocke, Demond Greene streckte zwei Finger zum Victory-Zeichen und die übrigen vier Spieler des siegreichen Teams gruppierten sich um sie herum. Ein Betreuer hielt diesen Moment mit seiner Digitalkamera fest. Brenscheidt erklärte: „Normalerweise üben sie jetzt noch den Kopfball ohne Ball – wie Fußballspieler beim Aufwärmen.“

Es ist eine eingeschworene und erfolgreiche Gemeinschaft, die sich unter Dirk Bauermann bei der Europameisterschaft in Serbien-Montenegro entwickelt hat. Die Frage nach der Zufriedenheit mit der Arbeit des neuen Bundestrainers erübrigt sich. „Die hat der Trainer selber beantwortet“, sagt Brenscheidt, „er hat zwölf Spieler mitgenommen, mit denen er bei der Europameisterschaft unter die besten beiden Teams gekommen ist.“ Mit dem unerwarteten Einzug ins Halbfinale gegen Spanien hat sich das deutsche Team sogar für die Weltmeisterschaft 2006 in Japan qualifiziert. Sie hat hoch gelobte Mannschaften wie Litauen, Serbien-Montenegro oder Russland hinter sich gelassen. Auch die Teilnahme an der EM 2007 in Spanien ist gesichert. „Das gibt uns jetzt zwei Jahre Luft, junge Spieler zu entwickeln“, sagt der Sportdirektor.

Bauermann hat im vorigen Jahr zum zweiten Mal den Bundestrainerposten übernommen, nachdem das Team bei der Europameisterschaft 2003 in Schweden unter Henrik Dettmann enttäuscht hatte. Der Finne war im Deutschen Basketball- Bund umstritten, obwohl er einen vierten Platz bei der EM 2001 und einen dritten Platz bei der WM 2002 erreicht hat. „Ich will nicht mehr zurückblicken“, sagt Brenscheidt. Lieber redet der Sportdirektor über den neuen Coach: „Ich habe seit Svetislav Pesic keinen mehr erlebt, der so wie er 7 Tage und 24 Stunden lang Basketball lebt – er ist ein Trainer der Extraklasse.“ Wie in Bauermanns Vereinsteam Bamberg, mit dem er in dieser Saison seinen achten Meistertitel geholt hat, verhilft die Defensive dem Nationalteam zum Erfolg – neben Dirk Nowitzki natürlich. Nur Griechenland (58 Punkte) hat bis zum Halbfinale im Schnitt weniger Punkte kassiert als das deutsche Team (62,2 Punkte). „Die Spieler sprechen selbst von einem Bollwerk“, sagt Brenscheidt.

„Bauermann hat uns gesagt, dass wir von der Qualität nicht europäische Spitze sind“, berichtet Marko Pesic, „deshalb ist unsere Verteidigung so wichtig.“ Sein Vater Svetislav pflegt mit Bauermann eine intensive Rivalität. „Ich habe damit nichts zu tun“, sagt Marko Pesic. Mit seinem Vater habe er noch nicht über seine Erfahrung mit Bauermann gesprochen. „Wenn er mich fragt, sage ich es ihm.“

Bauermanns Doppelfunktion ist umstritten. „Es gibt durchaus Kritik von den Vereinen“, sagt Brenscheidt. Als Bundestrainer könne er Talente nach Bamberg locken, lautet ein Vorwurf. Er habe auch größeren Einfluss auf die Schiedsrichter. Da sich der Wettbewerb des Nationalteams auf zwei Monate im Jahr beschränkt, sieht der Verband keine andere Möglichkeit, als einen Klubtrainer zu verpflichten. „Auf diesem Spitzenniveau braucht man einen praxisnahen Coach“, sagt Brenscheidt, „Ein Herzchirurg darf auch nicht zehn Monate lang nicht operieren und dann eine komplizierte Herzoperation durchführen.“

Für Bauermann bedeutet die Doppelfunktion, dass er fast keine Pause vom Basketball bekommt. Immerhin konnte er vor der Vorbereitung eine Woche mit Frau und Tochter nach Andalusien in den Urlaub. Während der Saison aber wohnt er ohne seine Familie in Bamberg. Trotzdem hat er nicht lange überlegt, als ihm der Basketball-Bund die Stelle als Bundestrainer angeboten hat. „Es ist eine Ehre, eine Mannschaft auf diesem Niveau zu trainieren“, sagt Bauermann. Der Einzug ins Endspiel der Europameisterschaft ist sein erster großer internationaler Erfolg. „Der Erfolg ist sehr positiv für den deutschen Basketball“, sagt Bauermann, „wir freuen uns darüber.“ Er hat „wir“ gesagt. Offenbar zählt auch der Trainer zu der großen Gemeinschaft, die sich in Serbien-Montenegro gebildet hat.

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