Sport : Der Erfolgsgarant

Warum Henrik Rödl für die deutschen Basketballer bei der WM so wertvoll war

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Von Matthias Krause

Indianapolis. Der erfahrene Sieger ist allzeit bestens gerüstet. Und weil Henrik Rödl weiß, wie es ist, wenn man Pokale und Medaillen überreicht bekommt, hatte er als einziger im deutschen Team eine kleine silberne Kamera bei sich. Mit der knipste der Berliner Flügelspieler bei der Ehrung im Conseco Fieldhouse zu Indianapolis vor 10 000 Zuschauern drauf los: Dejan Bodiroga mit dem Pokal des Basketball-Weltmeisters; die jugoslawische Mannschaft, die im Finale die Argentinier erst in der Verlängerung 84:77 niederrang; die eigenen Teamkollegen mit der Bronzemedaille um den Hals. Lauter hübsche Bilder für das Rödlsche Familienalbum, unwiederbringliche Höhepunkte im Herbst eines erfolgreichen Sportlerleben.

In den letzten Minuten des mühelosen 117:94-Erfolgs gegen Neuseeland im Duell um Platz drei hatte Bundestrainer Henrik Dettmann alle Spieler mit einer herzlichen Umarmung beglückwünscht. Rödl erfuhr die warme Geste als einer der ersten. „Wir haben ein sehr positives und sehr gutes Verhältnis“, sagte Rödl, „ich bin ihm dankbar, dass ich eine Chance bekommen habe.“ Wenn es nach den Oberen des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) gegangen wäre, hätte der Berliner die WM nur am Fernsehen verfolgt.

Mit 33 sei er zu alt, hieß es, er habe seinen Zenit überschritten. Dettmann hingegen wollte dessen Erfahrung für die junge, talentierte Mannschaft nicht missen - und setzte sich gegen die Funktionäre durch. Rödl dankte es dem Trainer, in dem er in entscheidenden Spielphasen wichtige Impulse von der Bank brachte. Dettmann sieht in dem Berliner auch eine Art Kontinuum des Erfolges. „Für Henrik freue ich mich ganz besonders, er war immer dabei: Olympia 1992, hat die EM 1993 gewonnen, den Korac-Cup 1995. Er hat einen tollen Charakter." So hilft er der Mannschaft, auch wenn es sich nicht immer statistisch niederschlägt.

Diese dominierte wie erwartet Dirk Nowitzki. Der NBA-Profi von den Dallas Mavericks erzielte in den neun Spielen durchschnittlich 24 Punkte, mehr als jeder andere. Das trug ihm neben der Bronzemedaille auch den Titel des wertvollsten Spieler (Most Valuable Players, kurz MVP) ein - ungeachtet dessen, dass seine Wurfquote und sein Drang zum Korb nicht so überzeugend waren wie noch bei der EM in der Türkei, als das deutsche Team Rang vier belegte. „Ich bin total happy, dass wir nicht noch einmal so ein Fiasko erlebt haben wie in der Türkei“, sagte Nowitzki, „wir sind gut aus der Enttäuschung nach der Halbfinalniederlage gegen Argentinien herausgekommen." Nicht jeder hatte damit abgeschlossen. „Wir haben eine Bronzemedaille, die glänzt ein bisschen silbern“, sagte Marko Pesic. Als nächstes Ziel gilt ihm nun die EM in Schweden, die gleichzeitig als Qualifikation für die Olympischen Spiele 2004 dient. „Das wird knüppelhart“, sagte DBB-Präsident Ronald Geggus. Da wird es ihn gefreut haben, dass Nowitzki sein Bekenntnis zum Nationalteam erneuerte. „Wenn ich fit bin, werde ich in Schweden spielen. Das Ziel heißt schließlich Athen."

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