Sport : Der erlaubte Sieg

Der in Italien wegen Dopings gesperrte Alejandro Valverde triumphiert bei der Spanien-Rundfahrt über die anderen Radprofis, die Polizei und das Schicksal

Tom Mustroph[Madrid]

Alejandro Valverde hat gut lachen. Das Goldtrikot der Vuelta a Espana sitzt passgenau an seinem Körper. Kein anderer Radprofi war in der Lage, es dem Spanier abzujagen. Der Niederländer Robert Gesink, der dies aufgrund seiner bisherigen Leistungen am ehesten vermocht hätte, war durch eine tiefe Fleischwunde am linken Knie geschwächt und fiel noch vom Podiumsplatz herunter. „Er sollte in Erinnerung behalten, dass er einer der besten Kletterer dieser Rundfahrt ist“, sagte Rabobank-Teamchef Erik Breukink über Gesinks Sturzdilemma. Der Australier Cadel Evans verlor durch einen extrem langsamen Boxenstopp auf freiem Feld über eine Minute und rutschte so im Klassement nach hinten. Ivan Basso, der lauthals einen Vuelta-Sieg angekündigt hatte, ließ zwar sein Liquigas-Team beständig Power machen. Der von einer Dopingsperre zurückgekehrte Italiener verfügt aber nicht mehr über den Punch, den er als „Birillo“ zur Zeit der Betreuung durch den Dopingarzt Eufemiano Fuentes noch gehabt hatte. Und auch Alexander Winokurow, ein weiterer Dopingsperrenabsitzer, musste schließlich erkennen, dass er nur im Flachen mit den besten mithalten konnte. Er stieg frustriert aus.

Daher strebt Valverde am Sonntag weitgehend unangefochten seinem Triumph entgegen. Der 29-Jährige hat aber noch einen weiteren Grund zum Strahlen: Er hat dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen. Denn eigentlich hätte er bei der Vuelta gar nicht antreten dürfen. Die italienische Sportjustiz hält für erwiesen, dass Valverde der Kunde „Nr. 18” alias „Valv.Piti“ von Eufemiano Fuentes ist. Ein DNA-Vergleich zwischen Dopingproben Valverdes und dem Inhalt eines mit der Nr. 18 versehenen Blutbeutels aus dem Fuentes-Depot ergab eine Übereinstimmung.

Seit Mai dieses Jahres ist er daher zwei Jahre lang für alle Wettkämpfe auf italienischem Territorium gesperrt. Doch was in Italien als Recht gilt und dem Alltagsverstand logisch erscheint, ist, wenn es die Justiz anderer Länder nicht anerkennt, wenig wert. Weil nur der königlich-spanische Radsportverband RFEC ein Verfahren einleiten kann, das den Mann aus Murcia weltweit sperrt, haben die Weltantidoping-Agentur Wada und der internationale Radsportverband UCI Klage beim obersten Sportgericht Cas in Lausanne eingereicht. Der Cas will aber erst im Dezember darüber entscheiden, ob die von der spanischen Polizei und der italienischen Sportjustiz ermittelten Fakten die RFEC zur Aufnahme eines Verfahrens verpflichten. Bis dahin kann Valverde außerhalb Italiens überall Rennen bestreiten, wenn ihn denn die Veranstalter einladen.

Vuelta-Chef Xavier Guillen ist sich des Risikos, das der Sieger Valverde für seine Rundfahrt bedeutet, durchaus bewusst. Der gelernte Jurist sieht die Verantwortlichen aber in Lausanne: „Das Problem existiert nur deshalb, weil der Cas noch immer kein Urteil gefällt hat“, sagt er. An Spekulationen, ob Valverde nach einem Cas-Entscheid der Vuelta-Sieg wieder aberkannt werden könnte, mag er sich nicht beteiligen.

Für Valverde schloss sich bei dieser Vuelta ein metaphorischer Kreis. Im Jahr 2006 war die Guardia Civil noch hinter ihm her gewesen. Zum Abschluss der 19. Etappe stieg hingegen ein zivil gekleideter Abgesandter der Polizei auf das Podium und streifte ihm das Goldtrikot über. Der einzige, der bei dieser Vuelta nicht den Platz eingenommen hat, den Valverde ihm zugedacht hatte, ist André Greipel. Der Sprinter von Team Columbia holte bis Samstag drei Etappensiege. Trotz des umstrittenen Abzugs von 25 Punkten hat der gebürtige Rostocker große Aussichten, das grüne Trikot des punktbesten Fahrers zu ergattern. Valverde hatte auch dieses Leibchen im Blick.

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