Sport : Der erste Aufsteiger

Außenseiter Cyril Dessel übernimmt nach dem Auftakt in den Pyrenäen die Führung bei der Tour

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Pau - Es ging bergauf. Erstmals bei der diesjährigen Tour de France. Und so wurde die Frankreich-Rundfahrt für manchen Radprofi am Dienstag schon zu einer Tortur. Nach neun Flachetappen ging es auf der 190,5 Kilometer langen Fahrt von Cambo-les-Bains nach Pau in die Pyrenäen. Zum Leidwesen von Sergej Gontschar zum Beispiel, der Ukrainer vom Team T-Mobile verlor gestern sein Gelbes Trikot. Juan Miguel Mercado (Agritubel) gewann die Etappe, nachdem ihm Cyril Dessel (AG2R) im Ziel von Pau den Vortritt lassen musste. Trotzdem schlüpfte der 31 Jahre alte Dessel bei seinem zweiten Tour-Start erstmals ins Gelbe Trikot.

Es war gestern ein unruhiger Tag bei der Tour, schon früh kamen die Attacken im Feld. 15 Fahrer setzten sich vor dem Anstieg zum ersten größeren Hügel bei dieser Tour, dem 500 Meter hohen Col d’Osquich, ab. Unter den Ausreißern war auch der Berliner Jens Voigt vom CSC-Team. Der in der Gesamtwertung am bestplatzierteste Fahrer war Cyril Dessel. Der Franzose vom AG2R-Team hatte vor der Etappe drei Minuten und 50 Sekunden Rückstand auf Sergej Gontschar. Ihren ersten dramatischen Höhepunkt sollte die Etappe aber erst auf der langen Anfahrt zum 1540 Meter hohen Col de Soudet bekommen: Fast zehn Minuten Vorsprung hatte die Ausreißergruppe aus das Hauptfeld herausgefahren, bis sie dann doch am Anstieg auseinander fiel.

Voigt bekam Probleme, bald war nur noch ein Quartett übrig, zudem immer noch Dessel gehörte. Im Feld wurde es derweil für viele Fahrer gefährlich, das Tempo war auch für Iban Mayo zu hoch. Der Spanier – früher schon mal Favorit auf den Gesamtsieg – fiel weit zurück, trotz Unterstützung aus seinem Team. Auch Gontschar bekam Probleme. Der Ukrainer fuhr am Ende des Feldes, während seine Teamkameraden am Kopf des Feldes Tempo machten: Offensichtlich besaß die Verteidigung des Gelben Trikots bei T-Mobile gestern keine Priorität, die Fahrer blieben bei Andreas Klöden.

Mit Dessel und Juan Miguel Mercado erreichte schließlich nur noch ein Duo den Gipfel des Col de Soudet zuerst. Erst knapp zehn Minuten später kam das Hauptfeld, an dessen Spitze Matthias Kessler (T-Mobile) unermüdlich rackerte, dort an. Der Spanier Inigo Landaluze (Euskatel) schloss auf der Abfahrt zu Dessel und Mercado auf. Die Gruppe sollte schließlich sogar auf sieben Fahrer anwachsen, bevor dann der Anstieg auf den gut 1000 Meter hohen Col de Marie Blanquet folgte und sich die Entscheidung anbahnte: 11 Minuten lag das Hauptfeld zurück, zwischen Führenden und Feld gab es einige Grüppchen von Fahrern – darunter auch eines mit Jens Voigt – die aber mit der Entscheidung nichts mehr zu tun haben sollten.

In der Spitzengruppe attackierte Mercado, Dessel folgte ihm, dahinter konnte kein Fahrer mehr am Anstieg folgen. Die Gruppe zerfiel, der Spanier und der Franzose harmonierten: Dessel, der in dieser Saison schon die Gesamtwertung in der Mittelmeer-Abfahrt für sich entschied, musste im Ziel Mercado den Etappensieg überlassen, aber schließlich durfte Dessel das Gelbe Trikot überstreifen.

Sergej Gontschar fuhr am Ende zwar im Hauptfeld mit seinem Team über die Ziellinie, das Gelbe Trikot trug er dabei aber zum vorerst letzten Mal. Tsp

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