Sport : Der Erste muss gehen

Köln beurlaubt Soldo und stürzt ans Tabellenende

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Und weg ist er. Nach nicht einmal 16 Monaten endet für Zvonimir Soldo seine Amtszeit als Trainer beim 1. FC Köln. Foto: dapd
Und weg ist er. Nach nicht einmal 16 Monaten endet für Zvonimir Soldo seine Amtszeit als Trainer beim 1. FC Köln. Foto: dapdFoto: dapd

Köln - Als Zvonimir Soldo am Vormittag das Training des 1. FC Köln am Geißbockheim leitete, schien er bereits eine Ahnung zu haben, welches Schicksal ihn wenige Stunden später ereilen sollte. „Als Trainer müssen deine Koffer immer gepackt sein“, sagte Soldo nach dem 45-minütigem Auslaufen mit seiner Mannschaft. Kurze Zeit später wurde es für ihn zur Gewissheit, dass er sein Gepäck aus Köln fortbewegen kann. Soldo bestätigte per Telefon, dass er vom Verein beurlaubt wurde.Ein paar Stunden später stürzte sein Klub durch den Stuttgarter Sieg über St. Pauli auf den letzten Platz in der Fußball-Bundesliga ab.

Noch am Donnerstag hatte der 1. FC Köln erklärt, dass er „vollstes Vertrauen in die handelnden Personen“ habe. Innerhalb von drei Tagen haben Vorstand und Geschäftsführung des Klubs ihre Meinung geändert. Gestern Nachmittag kamen die entscheidenden Gremien in der Kölner Innenstadt zusammen und entschieden so, wie es schon seit Tagen vorhergesagt wurde. Dass nämlich Soldo im Falle einer Niederlage bei Hannover 96 seinen Job verlieren würde.

So kam es dann auch nach dem 1:2 am Samstag, obwohl sich Soldo tags darauf trotz nur fünf Punkten aus neun Spielen noch zuversichtlich gegeben hatte: „Wir haben die Qualität, aus dieser Situation herauszukommen.“ Den Beweis durfte er nicht mehr antreten. Wenn der FC am Dienstag im DFB-Pokal den Zweitligisten 1860 München empfängt, wird Frank Schaefer, der bisherige Trainer der Kölner U 23, auf der Bank sitzen.

Doch mit dieser Entlassung des 42 Jahre alten Trainers dürften die größten Sorgen des Traditionsklubs noch lange nicht ausgestanden sein. Denn nicht nur Zvonimir Soldo, der aufgrund seiner außergewöhnlich ruhigen Art wie ein Sonderling im häufig so schrillen Bundesligageschäft erschien, sondern auch Manager Michael Meier standen zuletzt in der Öffentlichkeit stark in der Kritik. Der Manager wird vor allem dafür verantwortlich gemacht, dass die Kölner eine kaum konkurrenzfähige Mannschaft vorweisen können. Meier setzte in der jüngeren Vergangenheit vor allem auf bekannte und kostspielige Namen wie Maniche oder Pierre Womé. Die klubeigenen Talente haben dagegen kaum eine Chance bekommen.

Für Soldos Entlassung dürfte nicht nur der sportliche Misserfolg eine Rolle gespielt haben, sondern auch dessen Auftreten jenseits des Fußballplatzes. Für Öffentlichkeitsarbeit, die zur Bundesliga gehört wie der Ball, hatte Soldo meist nur sehr wenig über. Der Kroate war oft ungewöhnlich einsilbig und erweckte dadurch den Anschein, er sei ratlos. Niemand in Köln und dem Umland schien ihm mehr eine Trendwende zuzutrauen.

Manager Michael Meier hatte in der vergangenen Woche eine „Außendarstellung zum Weglaufen“ beklagt, nachdem zunächst Lukas Podolski die eigene Vereinsführung kritisiert hatte und Torhüter Faryd Mondragon nach seiner Degradierung zum Ersatztorhüter mit Erlaubnis der sportlichen Leitung das Mannschaftshotel verlassen hatte. Soldo hatte offenbar auf disziplinarische Maßnahmen für beide Spieler verzichtet, was ihm vor allem von den Kölner Boulevardzeitungen als Makel und als Schwäche ausgelegt worden war. In Köln ist seit geraumer Zeit die Rede von den FC-Chaostagen. Zvonimir Soldo ist das erste Opfer dieser unruhigen Zeiten. Vielleicht ist er nicht das letzte. Jörg Strohschein

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