Sport : Der Europameister will das Niveau der Europäer im Hürdenlauf hebenm

Berthold Mertes

Damian Kallabis will auf eine Stufe mit Dieter Baumann - als Europarekordler. "Ich habe eine solche Zeit drin. 8:05 sind mittelfristig möglich", meint der 26 Jahre Europameister über 3000 m Hindernis, der für den SCC Berlin startet. Der Europarekord von Joseph Mahmoud steht bei 8:07,62 Minuten. Gestern abend ging Kallabis beim Istaf auf Rekordjagd (das Rennen war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht gestartet worden).

Reichlich Respekt haben inzwischen sogar die Kenianer vor Kallabis. In ihren Augen hat der blonde Hindernisläufer den Leverkusener 5000-m-Europarekordler Baumann aus der Rolle des "weißen Kenianers" verdrängt. "Und dann ist da noch der Deutsche", hatte Christopher Koskei auf die Frage nach den härtesten Konkurrenten erklärt, bevor er in Sevilla WM-Gold holte. Kallabis wurde seinem Ruf gerecht und ließ nach seinem Weltcupsieg vom Vorjahr zum zweiten Mal Weltrekordler Bernard Barmasai (Fünfter) hinter sich.

"Die Europäer haben im Hindernislauf stark aufgeholt, aber der Nachholbedarf ist immer noch da", sagt Kallabis, der am 11. August in Zürich in 8:09,48 Minuten den zwölf Jahre alten deutschen Rekord des Dresdners Hagen Melzer gelöscht hatte. Auch der WM-Sechste Eliseo Martin aus Spanien, der eine Zeitlang die Weltjahres-Bestenliste angeführt hatte, und der Österreicher Günther Weidlinger scheinen auf dem besten Weg, die Lücke zu den Kenianern zu schließen. Beim Barmasai-Weltrekord (7:55,72) sieht Kallabis noch "Luft für eine baldige Verbesserung um mindestens fünf Sekunden durch einen der Kenianer".

"Man darf es nicht zu laut sagen, um keine Antiwerbung zu machen, aber das Niveau hinkt deutlich hinter dem auf den Flachstrecken her", erklärt Kallabis, der mit diesem Argument die in Sevilla erneut laut gewordenen Verdächtigungen entkräften will, das nicht nachweisbare Blutdopingmittel Erythropoietin (EPO) zu benutzen.

Im Raum stand dieser Vorwurf bereits 1998 nach seinem EM-Triumph. Später gaben der binnen einer Saison um 24 Sekunden verbesserte Europameister und sein Trainer Stephane Franke die Einnahme des damals noch nicht verbotenen Blutverdünnungsmittels HES zu, stritten EPO-Missbrauch jedoch vehement ab. Kallabis: "Ich werde weiterhin versuchen, mit Leistungen auf üble Nachreden zu antworten."

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