Sport : Der ewige Eisbär

Berlins Steve Walker ist bester Scorer der DEL

Katrin Schulze

Berlin - Fast wäre Steve Walker nicht bei den Eisbären gelandet. Nur eine formlose Signatur unter einen bereits ausformulierten Vertrag trennte den Kanadier im Jahr 2000 von einer Verpflichtung bei den mittlerweile in der Eishockey-Oberliga versunkenen Berlin Capitals. Doch als die finanziell maroden Capitals dem damals unbekannten Mann mit den rotblonden Haaren keine Krankenversicherung bezahlen wollten, lehnte er in letzter Minute ab – und unterzeichnete stattdessen einen all-inclusive Kontrakt beim Lokalrivalen EHC Eisbären. Mittlerweile spielt Walker im achten Jahr bei den Berlinern, ist Kapitän, Leistungsträger seines Teams und seit Freitag auch bester Scorer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

„Diese Zahlen interessieren mich eigentlich nicht“, sagt Walker. Viel wichtiger sei der Erfolg der Mannschaft, die heute beim EHC Straubing antreten wird (18.30 Uhr). Sein Trainer will sich dieser Bescheidenheit des Kanadiers allerdings nicht anschließen. „Es ist von großer Bedeutung, dass der Kapitän der beste Spieler auf dem Eis ist“, sagt Don Jackson. Nur so könne er sich dem Respekt seiner Mitspieler sicher sein und diese mitreißen. „Steve macht dies in diesem Jahr perfekt“. Wie wichtig Walker für die Eisbären ist, beweist er aber nicht nur in dieser Saison. In den vergangenen sieben Jahren agierte er stets zuverlässig und belegte in Torjägerlisten immer vordere Positionen. „Dafür werde ich schließlich auch bezahlt“, sagt er. Mittlerweile hat der Kanadier auch den seit 1992 bei den Eisbären beschäftigten Sven Felski in der ewigen Scorerliste der Berliner überholt.

Als Steve Walker noch in einer unterklassigen nordamerikansichen Eishockeyliga über das Eis kurvte, war eine solche Entwicklung für ihn undenkbar. „Ich sah meine Zukunft nicht im Eishockey“, gibt er heute zu, viel wichtiger war ihm damals seine Familie. Zum Wohle dieser schlug er sogar mehrere Offerten von Mannschaften aus der National Hockey-League (NHL)aus. Erst als das „wesentlich lukrativere“ Angebot aus Berlin kam, entschied er sich nach vierjähriger Spielzeit bei den Detroit Vipers für einen Wechsel. Walker ist kein Mensch, der große Schwankungen in seinem Leben liebt. „Wenn ich mich irgendwo wohl fühle, sehe keinen Grund, etwas an der Situation zu ändern.“ Und so verwundern auch die beruflichen Ziele des 34-Jährigen, dessen Vertrag beim EHC noch bis zum Ende der nächsten Saion läuft, kaum: „Ich will meine Karriere in Deutschland dort beenden, wo ich sie begonnen habe“ – in Berlin, bei den Eisbären. Und privat? Da möchte er nach seiner Eishockeykarriere wieder zurück in die kanadische Heimat. Eben nicht zu viel Veränderungen. Katrin Schulze

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