Sport : Der Fall Balzer: Die Hürde des olympischen Geistes

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Hürdensprinter Falk Balzer wird möglicherweise als erster Athlet vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) aus disziplinarischen Gründen von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Der DLV schlägt den 26-Jährigen vom TuS Jena nicht dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für die heutige Nominierungssitzung für die Spiele in Sydney vor. Dies teilte der Vorsitzende des DLV-Bundesausschusses Leistungssport (BA-L), Rüdiger Nickel, gestern mit. Der Verband zieht damit die Konsequenzen aus einer Abmahnung für den Sachsen im Frühjahr dieses Jahres sowie seiner tätlichen und verbalen Attacken gegen Konkurrenten am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig.

Allerdings ist der Olympia-Zug für den gebürtigen Leipziger noch nicht ganz abgefahren. Der DLV behält sich vor, bis zur letzten NOK-Sitzung am 22. August "neue Erkenntnisse zu prüfen, die im Hinblick auf die Kürze der Zeit seit den Meisterschaften bis zur Nominierungssitzung des DLV am Dienstag noch nicht gewonnen werden konnten".

Nickel begründete die vorläufige Nichtberücksichtigung des deutschen Jahresbesten über 110 m Hürden damit, dass Balzer "die Voraussetzungen zur Nominierung bisher deswegen nicht erfüllt hat, weil sein Verhalten bei den Deutschen Meisterschaften nicht den in der Olympischen Charta und den DLV-Nominierungsrichtlinien niedergelegten Geist des Fairplay und der vorausgesetzten Eignung, der Jugend ein Vorbild zu sein, entspricht". Der DLV habe bei seiner Entscheidung insbesondere auch berücksichtigt, dass der Athlet im Frühjahr "wegen ähnlicher missbilligenswerter Verstöße vom BA-L-Vorsitzenden abgemahnt wurde und unter Bewährung steht".

Falk Balzer hatte nach seinem dritten Platz im Finale über 110 m Hürden den Kölner Claude Edorh, von dem er sich vor dem Start gestört fühlte, noch im Auslauf beschimpft und geschubst und wurde nur durch das schnelle Eingreifen von Rüdiger Nickel von ernsthaften Handgreiflichkeiten abgehalten. Er war bereits im Frühjahr von Nickel verwarnt worden, weil er unter anderem seinen Konkurrenten Florian Schwarthoff in einem Interview beleidigt hatte. In Braunschweig zeigte sich Balzer auch noch als schlechter Verlierer nach dem Rennen, in dem Schwarthoff in 13,42 Sekunden seinen elften Meistertitel gefeiert hatte: "Florian Schwarthoff ist zwar Meister, aber die Leistung war unter dem Niveau, was ich bringen könnte." Bei der Siegerehrung verließ Balzer dann demonstrativ das Podest und verweigerte das übliche Siegerfoto der ersten drei.

Bereits danach hatte DLV-Präsident Helmut Digel mögliche Konsequenzen angedroht: "Ich habe es schon mehrmals gesagt, in der Nationalmannschaft muss nicht jeder Mitglied sein." Das Verhalten des Weltmeisterschafts-Fünften von Sevilla war auch in seiner engeren Heimat scharf missbilligt worden. Der thüringische Leichtathletik- Verband hatte erklärt, er distanziere sich von Falk Balzers Handgreiflichkeiten gegenüber Claude Edorh, seinem unsportlichen Abgang bei der Siegerehrung und seinen verletzenden Aussagen gegenüber den Medien. "Wir erwarten von Balzer eine öffentliche Entschuldigung für sein Verhalten", betonte der Landesverband. Dazu forderte ihn auch sein Verein TuS Jena auf, der den Auftritt seines Athleten als "inakzeptabel" bezeichnete und eine "angemessene und ernst gemeinte Entschuldigung" verlangte. Laut Manager Helmut Ebert hat sich Balzer bereits entschuldigt: "Falk hat sich bei Sportwart Rüdiger Nickel und Sportdirektor Frank Hensel entschuldigt", meinte der Manager von Balzer.

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