Sport : Der Fall Baumann: Schadensersatzklage nicht vor Sydney - wenn überhaupt

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Kann ja sein, dass sich jetzt ein paar Sponsoren bei Dieter Baumann melden. Wäre sogar logisch. Baumanns Suspendierung wurde aufgehoben, er darf wieder laufen. Kann ja sein, dass all die Sponsoren, die ihre Verträge nicht verlängert haben, weil Baumann positiv getestet worden war, nun sagen: Wir zahlen weiter. Kann nicht sein, sagt Michael Lehner, Baumanns Rechtsanwalt, "die haben ihren Werbetat doch längst verplant". Das Geld ist erst mal weg. "Die Hauptsponsoren", sagt Lehner, "sind zwar geblieben", aber der Schaden ist trotzdem enorm. Rund 400 000 Mark. "Es kann aber nicht sein", sagt Lehner, "dass Baumann auf diesem Schaden sitzen bleibt."

Schwierig ist allerdings bloss, das Geld wieder einzuklagen, das gibt auch Lehner zu. Nur wenn er dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) einen schuldhaften Verstoß gegen die Regeln nachweisen kann, muß der DLV bluten. So ist das Sportrecht. Aber die Suspendierung des Olympiasiegers lief regelgerecht ab. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt festgestellt. Lehner spielt derzeit zwei Angriffsstrategien durch. Erstens: ein Verfahrensfehler. Baumann sei erst nach, und nicht wie vorgeschrieben, vor der Entscheidung des DLV (nämlich: dem Rechtsausschuß Baumanns Suspendierung zu empfehlen) offiziell angehört worden. Zweitens: Der DLV hätte im Januar vor seiner Empfehlung Anscheinsbeweise würdigen müssen. Die Bedeutung dieser Beweise hat das OLG Frankfurt im Mai herausgehoben. Bis dahin galt für den DLV die traditionelle Maxime: Positive Dopingproben allein genügen als Tatbeweis.

Und weil alles so kompliziert ist und Baumann sich auf Sydney konzentrieren will, "passiert vor den Olympischen Spielen gar nichts", sagt Lehner. Und klar ist auch, dass er nicht aus Prinzip prozessieren will. "Wegen drei Mark fuffzig werden wir sicher nicht klagen." Wenn allerdings der Weltverband IAAF den Freispruch wieder aufhebt, wird Lehner sauer: "Dann wird massiv und sofort prozessiert."

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