Sport : Der Fall Mayer - Aufregung am Tag danach

SVEN GOLDMANN

Das üble Foul des Kanadiers am Finnen Peltonen vergiftet die Atmosphäre im Berliner Eishockey VON SVEN GOLDMANN

Berlin.Die gute Nachricht zuerst: Jarno Peltonen geht es den Umständen entsprechend gut.Der Verdacht auf Schultereckgelenksprengung hat sich nicht bestätigt.Mannschaftsarzt Manfred Weigert diagnostizierte "nur" eine Verrenkung, über eine eventuelle Operation wird morgen entschieden.Vielleicht kommt der Finne mit einer vierwöchigen Pause davon. Die schlechte Nachricht wiegt schwerer: Das Klima zwischen den beiden Berliner Eishockeyklubs Eisbären und Capitals ist nach dem üblen Foul des Eisbären Derek Mayer an Peltonen so schlecht wie nie mehr seit dem 16.Dezember 1990, als die Spieler beider Mannschaften noch nach der Schlußsirene minutenlang aufeinander eindroschen.Das war kurz nach der Wende, als die Eisbären noch Dynamo und die Capitals Preussen hießen.Seitdem hat sich das Verhältnis Ost - West kontinuierlich entspannt.Am 8.Februar sollte eine Auswahl beider Teams in einem Benefizspiel gegen eine Auswahl der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) antreten.Daran ist nach den Vorkommnissen am Sonntag beim 10:2-Sieg der Capitals nicht mehr zu denken."Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, mit denen in einer Kabine zu sitzen", sagt Trainer Peter Ustorf.Da war nicht nur das Foul an Peltonen, sondern ganze Atmosphäre in der Halle."Mayer, hol die Kelle raus", grölten die Eisbären-Fans.Und: "Schlagt den Preussen die Schädeldecke ein." "Unter solchen Vorraussetzungen kann man doch kein gutes Verhältnis zueinander aufbauen", sagt Ustorf."Auf dem Eis sah das doch genauso aus.Spieler wie Chitarroni, Andrusak oder Biafore haben doch zum Schluß auf alles eingeschlagen, was sich bewegt hat.Dafür haben sich sogar deren Mannschaftskameraden geschämt.Ein paar von denen sind nach dem Spiel in unsere Kabine gekommen und haben sich dafür entschuldigt." Die das Faß zum Überlaufen bringende Szene hat der Sender Freies Berlin nahezu lückenlos festgehalten.Das unbestechliche Auge der Kamera zeigt Peltonen, wie er an der blauen Linie auf und davon zieht und aus halbrechter Position aufs Tor schießt.Hier trifft ihn Mayers Schläger zum ersten Mal.Instinktiv reißt der getroffene Finne den Schläger hoch und touchiert Mayers Gesicht."Dabei hätte er mir die Zähne ausschlagen können", sagt der Kanadier.Anschließend brennen bei ihm offensichtlich alle Sicherungen durch.Peltonen duckt sich, dreht ab und wird unmittelbar darauf von Mayers Schläger an die Bande gerammt.Peter Ustorf hat sich die Szene zwanzig- oder dreißigmal angeschaut."Wer dieses Foul gesehen hat, der vergißt es nie wieder.Wie der Mayer Anlauf nimmt, den Schlägergriff wechselt und dann trifft - Peltonen hat ja noch Glück gehabt, daß da die Schulter zwischen war.Sonst würde er jetzt vielleicht im Rollstuhl sitzen." Noch am Sonntag informierten die Capitals DEL-Geschäftsführer Helmut Bauer telefonisch, gestern folgte per Post ein Band mit der Videoaufzeichnung des Checks."Dieser Mann muß gesperrt werden, und zwar nicht nur für ein Wochenende", schimpft Ustorf.Mayer ist Wiederholungstäter: Beim Deutschland Cup Anfang November in Stuttgart hatte er den Kölner Andreas Lupzig fernab des Geschehens niedergestreckt und war darauf vom Weltverband für ein internationales Spiel gesperrt worden. Die Eisbären reagierten eher zögerlich.Trainer Ron Kennedy murmelte etwas von einer Formschwäche Mayers, "deswegen ist er zur Zeit ziemlich frustriert".Sportdirektor Billy Flynn verwies auf Peltonens hohen Stock, und Manager Lorenz Funk ärgerte sich über "eine völlig unnötige Aufregung, wo wir doch in den nächsten Wochen noch viermal gegeneinander spielen.So ist nun mal Eishockey, so etwas kommt in jedem Spiel weiß ich wie oft vor". Diese Haltung erzürnt den Lokalrivalen erst recht."Wie kann denn der Funk so etwas sagen", schimpft Peter Ustorf."Ich will mal zu seinen Gunsten annehmen, daß er dieses Foul nicht gesehen hat.Aber das paßt zum Stil dieses Vereins.Trainer, Präsident, Manager - keiner hat sich bei uns für diesen Vorfall entschuldigt.Und keiner hat sich erkundigt, wie es denn dem Jarno Peltonen gehen würde." Und: "Wenn die Eisbären Charakter haben, dann schmeißen sie den Mayer raus." Denkbar ungünstige Vorraussetzungen für das nächste Berliner Derby.Das steigt am 17.Januar in Hohenschönhausen.

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