Sport : Der Favorit hinter den Favoriten

Die Antwort auf die Frage, ob Jan Ullrich oder Lance Armstrong die Tour gewinnt, kann Iban Mayo heißen

Mathias Klappenbach

Berlin - Vor drei Wochen hat er Lance Armstrong schon einmal gezeigt, wie es bei der Tour laufen soll. Iban Mayo stürmte beim Bergzeitfahren bei der Dauphiné Libéré fast zwei Minuten schneller als Lance Armstrong auf den Mont Ventoux und gewann die Rundfahrt, die in den beiden Jahren zuvor Lance Armstrong für sich entschieden hatte. „Ich will die Tour gewinnen“, sagt der Baske vom Team Euskaltel, der schon im vergangenen Jahr die Favoriten Armstrong und Ullrich immer wieder attackierte und die schwere Bergetappe nach Alpe d’Huez gewann. Dort findet in diesem Jahr ein spektakuläres Zeitfahren statt.

Die sich zum Ende zuspitzende Dramaturgie der Tour begünstigt in diesem Jahr die exzellenten Kletterer wie Mayo. Zudem ist der 26-Jährige auch im Flachland ein guter Zeitfahrer, und er kann mit seinem starken Kapitän Haimar Zubeldia, der im vergangenen Jahr vor Mayo Fünfter in der Gesamtwertung wurde, in den Bergen gemeinsam angreifen. Wenn die älteren Profis Ullrich (30) und Armstrong (32) einmal nicht mehr im Sattel sitzen, könnte Mayo zum dominierenden Rundfahrer werden. Schon bei dieser Tour ist der Baske mehr als ein so genannter Geheimfavorit. Er kann aus dem üblichen Zweikampf einen Dreikampf machen, auch wenn Lance Armstrong und Jan Ullrich sich gegenseitig als ihre größten Rivalen bezeichnen.

Jan Ullrich sieht in den schwachen Leistungen des fünfmaligen Tour-Siegers Armstrong während dessen Vorbereitungsphase nur ein Täuschungsmanöver, der Texaner wiederum redete Ullrich schon während dessen Formkrise vor zwei Monaten stark. Ullrich kündigte an, „niemanden zu unterschätzen“ und Armstrong sieht „zehn bis zwölf Fahrer, die eine Bedrohung darstellen“, aber die beiden Protagonisten der vergangenen Jahre rechnen nur mit zwischenzeitlichen Einmischungen in ihr großes Duell. Neben Mayo traut Jan Ullrich vor allem Tyler Hamilton diese Rolle zu. Im vergangenen Jahr kämpfte sich der US-Amerikaner mit einem Schlüsselbeinbruch durch die Tour und wurde Vierter. In dieser Saison wechselte der 33-Jährige vom Team CSC zu Phonak. Dort ist er unumstrittener Kapitän, alle anderen Fahrer müssen ihn unterstützen, so wie Hamilton in seiner Zeit bei US-Postal (bis 2001) seinen damaligen Chef Armstrong.

Auch einem anderen ehemaligen Helfer von Armstrong werden gute Chancen eingeräumt, vorne dabei zu sein. Der spanische Bergspezialist Roberto Heras (30) startet für das neuformierte Team Liberty Seguros und hat dort mit Igor Gonzalez de Galdeano einen starken Helfer.

Auch der vierte Fahrer, dem ein Angriff auf die Favoriten zuzutrauen ist, zählt zu den Bergspezialisten. Der Italiener Ivan Basso (CSC) muss zwar auf die Helferdienste des im Training gestürzten Jörg Jaksche verzichten, doch schon im vergangenen Jahr fuhr der 26-Jährige zusammen mit seinem Teamkollegen Carlos Sastre unter die ersten Zehn.

Die Außenseiter Hamilton, Heras und Basso müssen darauf hoffen, dass Ullrich und vor allem Armstrong Schwächen zeigen. Sonst wird es schwer für sie, ganz vorne zu landen. Nur Iban Mayo kann auch gegen starke Favoriten um den Toursieg mitfahren und das große Duell Lance Armstrong gegen Jan Ullrich vorzeitig Radsportgeschichte werden lassen.

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