Sport : Der Favorit ist gereizt

Die Eisbären führen in den Play-offs 2:1 gegen Hamburg, zufrieden sind die Berliner deshalb noch lange nicht

Claus Vetter

Berlin. Es wirkte ungemütlich am Montagmorgen im Sportforum Hohenschönhausen. Vielleicht lag es daran, dass sich in der zweitkleinsten Halle der Deutschen Eishockey- Liga (DEL) ein weniger buntes Bild bot als sonst. Die Banden schimmerten in werbefreiem Weißgrau, die Sponsorentafeln mussten noch in der Deutschlandhalle abmontiert werden. In der Arena am Messegelände hatte der EHC Eisbären am Sonntag im Viertelfinale der Play-offs sein zweites Heimspiel gegen die Hamburg Freezers 3:2 gewonnen. Doch obwohl die Berliner nun in der nach dem Modus Best of seven gespielten Serie 2:1 führen, zudem wieder in ihrer geliebten Eishalle im Sportforum spielen dürfen, hielt sich der Spaßfaktor beim Training am Montag in engen Grenzen.

Auf dem Eis schimpfte Trainer Pierre Pagé einige Male vor sich hin. Und anschließend, beim Gang in die Kabine, kam dem Kanadier wenig Erbauliches über die Lippen. Pagé verwies auf irgendwelche Geschehnisse in der nordamerikanischen Profiliga NHL, wo es ja – wen überrascht es – schon mal Fehlentscheidungen eines Unparteiischen gab. „Es ist ganz wichtig für die DEL, dass die spielerisch beste Mannschaft Meister wird“, sagte er. Es ist nicht schwer zu erraten, welches Team Pagé damit meinte.

Trotz ihres Sieges sahen sich die Berliner am Sonntag vom Schiedsrichter ungerecht behandelt. Auch wenn sich keiner dazu öffentlich äußern wollte. So sind halt die Gepflogenheiten im nordamerikanischen Profitum: Wenn in der Saison alles auf dem Spiel steht, dann wird „kein Kommentar“ ins Mikrofon gesäuselt. Da antwortete etwa der kanadische Torhüter der Eisbären, Richard Shulmistra, auf die Frage, ob die Freezers denn tatsächlich so schmutziges Eishockey spielen, wie es von Pagé behauptet wird: „Nein, also dazu kann ich nichts sagen. Aber ich habe etwas anderes: Siege sind das einzige, was in den Play-offs zählt.“ Wer hätte das gedacht. Ein Glück, dass wenigstens Boris Capla für ein bisschen Stimmung im Duell zwischen Berlin und Hamburg sorgte. Der Geschäftsführer der Freezers sah seinen Klub am Sonntag im Nachteil, wirft den Eisbären vor, Strafzeiten geschunden zu haben. „Ich bin mir vorgekommen wie beim Kegeln: Ein Eisbär wurde geschubst, und alle sind hingefallen“, wird Capla zitiert. Nun gut, auch die Hamburger Spieler demonstrierten erstaunlich wenig Standfestigkeit auf ihren Schlittschuhen. Daran hat sich Capla natürlich nicht gestört.

Am Dienstag steht in Hamburg das vierte Spiel der Serie an (ab 19.25 Uhr live im DSF ). Und wenn die Berliner wieder derartigen Siegeswillen demonstrieren wie am Sonntag, als sie einen 1:2-Rückstand noch in einen 3:2–Erfolg umgestalteten, dann sollten sie nach dem Spiel fröhlicher dreinschauen als am Montag. Darauf hofft auch Rob Shearer. Bevor die Eisbären ihren Bus bestiegen, um nach Hamburg zu fahren, sagte der Stürmer noch: „Wenn wir im zweiten Drittel nicht wieder nachlassen, dann sollte es gut aussehen für uns.“ Und das war dann doch noch eine versöhnliche Aussage nach einem tristen Vormittag im Sportforum.

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