Der FC Arsenal vor dem Spiel gegen Dortmund : Arsène Wengers deutsche Phase

Arsenals Trainer Wenger baut eine neue Generation auf. Im Mittelpunkt stehen dabei Spieler aus Deutschland, das der Franzose momentan für die besten Talentquelle Europas hält. Heute treffen Özil, Mertesacker & Co. in der Champions League auf Dortmund.

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Arsène Wenger
Kennst du gute Deutsche? Arsène Wenger akquiriert gern länderspezifisch.Foto: dpa

Dank Mesut Özil kann Arsène Wenger endlich wieder lächeln. Zwei Monate nach seiner Ankunft beim FC Arsenal ist der psychologische Einfluss des deutschen Nationalspielers allgegenwärtig. „Er hat die Stimmung im ganzen Verein verbessert“, sagt Wenger. Doch Özil hat nicht nur die Stimmung, er hat vor allem die Leistung beeinflusst. Arsenal ist derzeit mit zwei Punkten Vorsprung Tabellenführer der Premier League. Zum ersten Mal seit drei Jahren spielt die Mannschaft des Fußballtrainers Arsène Wenger wieder um die Meisterschaft mit. Und auch in der Champions League steht Arsenal vor dem Spiel heute gegen Borussia Dortmund (20.45/Sky live) nach zwei Siegen in zwei Spielen sehr gut da.

Es ist ein faszinierendes Kapitel in der gemeinsamen Geschichte von Arsenal und Wenger. Der Klub hat seit 2005 keinen Titel mehr gewonnen, und der Franzose hat dafür den Großteil der Kritik eingesteckt. Es ging dabei um seine starrköpfige Philosophie von minimalem finanziellen Aufwand und maximaler Nachwuchsarbeit. Mit der 50 Millionen Euro teuren Verpflichtung von Özil scheint Wenger von seiner Doktrin abgerückt zu sein.

Er hat auf jeden Fall einen Geschmack für Deutsche entwickelt. In Arsenals Kader stehen Özil, Podolski und Mertesacker und noch ein paar weitere, noch nicht so bekannte deutsche Spieler. Zum Beispiel der 18 Jahre alte Serge Gnabry, er stand neulich in der Startelf. Dazu hat sich der Dortmunder Thomas Eisfeld in der zweiten Mannschaft etabliert, und seit kurzem trainiert auch der 16-jährige ehemalige Hertha-Jugendspieler Gedion Zelalem bei Arsenals Profis mit. „Deutsche Spieler sind talentiert, und sie gewöhnen sich schnell an neue Umgebungen“, sagt Wenger. „Es ist so ähnlich wie mit den Skandinaviern: Man geht kein großes Risiko ein, wenn man einen Deutschen holt.“

Der FC Arsenal: Stärker als alle Arsenal-Teams der vergangenen drei Jahre

Trotz der hohen Ablösesumme für Özil deutet die massive Einfuhr von deutschen Talenten an, dass Wenger nach wie vor auf Nachwuchsarbeit steht. In den neunziger Jahren, als Frankreich die stärkste Fußballnation Europas war, holte Wenger viele seiner jungen Landsleute in den Norden Londons. Vor rund sechs Jahren setzte er auf junge Spanier wie José Antonio Reyes, Fran Merida und Cesc Fabregas. Jetzt hält er offenbar Deutschland für die beste Talentquelle Europas.

Trotzdem geht es im aktuellen Projekt Wengers im Finsbury Park um mehr als die Gründung eines siebzehnten Bundeslandes. Der FC Arsenal ist immer noch jung und kosmopolitisch aufgestellt. So hat es Per Mertesacker gerade dem „Evening Standard“ erklärt: „Bei Arsenal will man international spielen“, in jeder Beziehung.

Der aktuelle Erfolg der Mannschaft liegt auch an der überragenden Form des Engländers Jack Wilshere und der des Walisers Aaron Ramsey, er hat in dieser Saison schon neun Tore erzielt. Und dann sind da auch noch die Reflexe des polnischen Nationaltorwarts Wojciech Szczesny, die Erfahrung des Tschechen Tomas Rosicky und die Torgefährlichkeit des Franzosen Olivier Giroud.

Die Mannschaft, die heute gegen Borussia Dortmund auflaufen wird, ist stärker als alle Arsenal-Teams der vergangenen drei Jahre. Der Deutschland-Effekt hat zwar dazu beigetragen – aber auch die alte, so oft kritisierte Philosophie des Fußballtrainers Arsène Wenger.


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