Der FC Bayern, Pep Guardiola und Thiago Alcantara : Mehr Barcelona für München

Die Verpflichtung von Thiago Alcantara deutet darauf hin, wie Trainer Pep Guardiola Bayerns Team umkrempeln will. Dass das nicht von heute auf morgen gehen wird, dämmert inzwischen auch den Verantwortlichen.

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Hola München. Der Spanier Thiago Alcantara kommt für 25 Millionen Euro zum FC Bayern.
Hola München. Der Spanier Thiago Alcantara kommt für 25 Millionen Euro zum FC Bayern.Foto: AFP

Vor einigen Tagen hat sich Pep Guardiola einen Scherz erlaubt. Angesprochen auf Stürmer Mario Mandzukic sagte der neue Trainer des FC Bayern im Trainingslager am Gardasee: „Der kann auch in der Abwehr spielen. Er ist groß, kopfballstark und robust im Zweikampf.“ Und Xherdan Shaqiri? Der könnte überall in der Offensive ran, „vielleicht aber auch als Außenverteidiger. Das werden wir sehen.“ Der Trainer erntete dafür entweder verwundertes Murmeln oder leises Grinsen.

Inzwischen ist längst nicht mehr sicher, was Guardiola im Bezug auf die Besetzung seiner Mannschaft ernst meint und was nicht. Personell scheint alles möglich. Am Sonntag, beim Testspiel gegen Hansa Rostock, fand sich Außenverteidiger Philipp Lahm als rechter Mittelfeldspieler wieder. Lahm erzielte beim 4:0-Sieg sogar ein Tor, nahm die ihm zugedachte Rolle aber nur widerwillig an.

Nach gut drei Wochen unter Pep Guardiola wird immer deutlicher, dass der FC Bayern der Vorsaison ein Relikt der Vergangenheit ist. Trotz des Triples aus Champions League, Meisterschaft und DFB-Pokal. Guardiola krempelt derart leidenschaftlich um, dass sich Sportvorstand Matthias Sammer genötigt sah, wieder den Mahner zu geben. „Das wird Zeit brauchen“, sagte er.

Sammer ist im Trainingslager nicht entgangen, dass so mancher Bayern-Spieler mit den Ideen des neuen Trainers fremdelt. Als „komisch“ bezeichnete Franck Ribery Guardiolas Vorgaben. Und Guardiola dürfte schon mal ein Gefühl dafür bekommen haben, dass die Umsetzung seiner Ideen kein Automatismus wird. Auch deshalb hat der Verein dem Wunsch seines Trainers nachgegeben und Thiago Alcantara als dritten Neuzugang nach Jan Kirchhoff und Mario Götze verpflichtet. Der 22-Jährige kommt vom FC Barcelona, kostet je nach Erfolgen bis zu 25 Millionen Euro und soll heute in München vorgestellt werden. Ein weiterer Mittelfeldspieler, der das ohnehin schon breite Angebot im Kreativbereich noch weiter vergrößert.

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Thiagos Ankunft kann durchaus als Misstrauensvotum Guardiolas gegen das vorhandene Personal verstanden werden. „Wir brauchen Thiagos Fähigkeiten im Mittelfeld“, hatte Guardiola vorher gesagt. Trotz Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez, Luiz Gustavo oder Toni Kroos, die alle mit Thiago um den Platz in der Mitte konkurrieren sollen.

Dass es unter Guardiola die von Vorgänger Jupp Heynckes favorisierte Doppelsechs, bestehend aus Schweinsteiger und Martinez, nicht mehr geben wird, wurde in den Testspielen deutlich. Guardiola favorisiert ein 4-1-4-1-System mit nur einem Spieler vor der Abwehr. So ließ er bereits beim FC Barcelona spielen, wo Xavi diese Rolle ausfüllte. Thiago Alcantara sollte dort irgendwann einmal dessen Nachfolge antreten. Guardiola schwebt ein dichtes Mittelfeld mit vielen ballsicheren Spielern vor. Im Frühjahr, als der Trainer im Rahmen einer Vortragsreihe durch Südamerika tourte, gab er in Buenos Aires Einblicke in seine Fußball-Seele: „Ich will den Ball und ich will die Mitte“, sagte Guardiola damals.

Thiagos Verpflichtung ist ein typischer Guardiola-Transfer. Der Sohn des brasilianischen Weltmeisters Mazinho könnte in Zukunft gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos für noch mehr Dominanz im Zentrum sorgen. Javi Martinez rückt dann in die Innenverteidigung, wo Guardiola ebenfalls spielstarke Typen bevorzugt. In Barcelona schulte er den defensiven Mittelfeldmann Javier Mascherano zum zentralen Abwehrspieler um.

Weniger überraschend dürfte Mario Götzes Rolle im Bayernspiel ausfallen. Er soll nach seiner Genesung möglichst die Rolle einnehmen, die Lionel Messi in Barcelona besetzt. Als „falscher Neuner“, im Halbraum zwischen Mittelfeld und Angriff. Dort werden laut Guardiola Fußballspiele entschieden. Für Mario Mandzukic könnte es eng werden. Zumindest im Angriff.

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