Sport : Der FC Jägermeister in der Allianz-Arena

Das Böse braucht einen Namen und ein Gesicht. Nennen wir das Böse also einfach Günter Mast! Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind durchaus beabsichtigt. Mast - das nur für die Jüngeren - hat einst die Seele des Fußballs verkauft. Zumindest hat er damit angefangen, als er vor fast 30 Jahren den Hirschkopf seiner Kräuterlikörfirma auf die Hemden seiner Fußballmannschaft flocken ließ. Eintracht Braunschweig, damals noch Bundesligist, war zu Beginn der 70er der erste Fußballverein in Deutschland, der mit Werbung auf seinen Trikots neue Wege ging. Wohin diese Wege führen, wird dieser Tage deutlich, da uns neue erschreckende Meldungen aus München erreichen: Der allmächtige Allianz-Konzern kauft den Namen des neuen Stadions in Fröttmaning und zahlt dafür in den nächsten 15 Jahren 92 Millionen Euro. Neben dem Hamburger SV in der AOL-Arena werden dann demnächst die Bayern und der TSV 1860 im Allianz-Park spielen. Ein wenig wehmütig denken wir an die Zeiten der Grotenburg-Kampfbahnen, Böllenfalltore und Haberland-Stadien. Doch, ach, man kann die modernen Zeiten wohl nicht aufhalten.

Dass alles so kommen würde, hätte sich vermutlich nicht einmal Günter Mast träumen lassen. Als der frühe Visionär aus dem Zonenrandgebiet Anfang der 80er Eintracht Braunschweig in Jägermeister Braunschweig umtaufen wollte, legte der Deutsche Fußball-Bund zu Recht sein entschiedenes Veto ein. Die Namen ihrer Vereine sind für die wahren Fans nämlich weit mehr als Schall und Rauch. Sie dienen der Identifikation. Oder würde irgendjemand ernsthaft behaupten, er könne sich mit der TTG Backparadies Bongards Hoengen aus der Tischtennis-Bundesliga identifizieren?

Natürlich, es geht ums Geld. Und den Kommerz im Sport zu geißeln ist in etwa so originell, wie sich über Rudolf Scharping lustig zu machen. Doch mit ein wenig Neid blicken die Wahrer des Guten, des Reinen und Echten ins Stadion Nou Camp, wo der FC Barcelona spielt, der ebenfalls jede Menge teure Spieler beschäftigt, aber aus katalanischem Stolz bis heute darauf verzichtet, den Platz auf der Brust ihrer Spieler an potente Konzerne zu verkaufen. Nur ist in den verwirrenden Zeiten leider gar nichts mehr so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die hehren Spanier zum Beispiel hatten vor ein paar Jahren überhaupt kein Problem damit, die halbe holländische Nationalmannschaft als FC Barcelona auflaufen zu lassen. Wer fragt schon nach Identifikation, wenn der Erfolg und das Geld stimmen?

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