Sport : Der Feind in meinem Bob

Beim Weltcup in Cortina d’Ampezzo fährt erstmals das thüringisch-bayerische Duo Lange/Zimmermann

Hartmut Moheit

Berlin - Gestern joggte André Lange ein wenig durch Cortina d’Ampezzo. Dabei ging dem Bob-Olympiasieger immer wieder ein Name durch den Kopf – Markus Zimmermann. „Vor der Saison hätte ich nicht im Traum daran geglaubt, dass ich mit ihm mal einen Weltcup bestreiten würde“, erzählte er dann am Abend. Zunächst glaubte Lange sogar an einen Scherz, als ihm Bundestrainer Raimund Bethge am vergangenen Wochenende diese Entscheidung mitteilte. Schließlich existiert zwischen dem Team des Oberhofers Lange und dem bayerischen von Christoph Langen, zu dem Zimmermann als Anschieber gehört, so etwas wie eine Erzfeindschaft. „Nichts Persönliches“, beteuerte Langen, der wegen eines Herzproblems pausiert, „aber jeder von uns will eben der beste Bobfahrer sein“.

Und wer in Deutschland vorn war, der war bisher auch Weltspitze. So bewahrte sich jedes Team seine technischen Geheimnisse, und vor den Starts blieben auch kleine Psychospielchen nicht aus. Daran wird sich auch mit Blick auf Olympia 2006 in Turin wohl nichts ändern.

Doch Olympia ist weit, und so läuft derzeit eben nicht alles normal. Langen fehlt ganz, und der eigentliche Anschieber von Lange, Kevin Kuske, ist nach einer Leistenoperation ebenfalls noch nicht dabei. „Da bot es sich doch an, mal die Kombination Lange/Zimmermann auszuprobieren“, begründete Bethge seine Entscheidung – wie von ihm gewohnt emotionslos. Bethge, dem das problemlose Zusammenwachsen in der einst verfeindeten deutsch-deutschen Bobszene zuzuschreiben ist, wollte das überhaupt nicht zur großen Geschichte aufbauschen. Das Besondere verdeutlichte nur der Oberhofer Klubtrainer Matthias Trübner: „Damit fällt auch der letzte Stein der Mauer.“ Ein wenig war die erfolgreiche deutsche Mannschaft immer noch ein Team mit mehreren Gruppen.

Vor dem ersten Training sagte André Lange schließlich: „Der Markus ist ein Vollprofi, ich mache mir absolut keine Sorgen.“ Aus der Ferne machte ihm Christoph Langen zusätzlich Mut: „Markus ist in einer Superform, für mich der beste Anschieber in Deutschland.“ Und das mit 40 Jahren, in der 20. Saison als Bobfahrer. Gerade auf den ersten 50 Sprintmetern, auf denen heutzutage schon ein Bobrennen entschieden werden kann, hatte Lange nach Kuskes Ausfall zuletzt Nachteile. An die Weltmeisterschaft im Februar in Calgary dachte André Lange an den zurückliegenden Tagen in Italien nicht. Dann sollen Kevin Kuske und der ebenfalls noch nicht voll belastbare 100 Kilogramm schwere Udo Lehmann wieder für schnelle Fahrt sorgen. Nur Christoph Langen prophezeit anderes: „An Markus Zimmermann wird auch dann niemand vorbeikommen.“ Für Olympia 2006 beansprucht er ihn dann jedoch wieder für sich.

Ob, oder ob auch nicht, André Lange wollte sich darüber jetzt partout nicht den Kopf zerbrechen. „Wichtiger ist doch, dass wir unseren Bob wieder in Schwung bekommen.“ Beim Weltcup in Altenberg hatte Lange die Kurve 13 nicht angefahren und war ziemlich steil auf den künstlich vereisten Beton gekracht. Der Bob aus dem Institut für Entwicklung von Sportgeräten (FES) wurde danach wieder in die Produktionsstätte nach Berlin-Köpenick gebracht, dort repariert, vermessen, und sollte eigentlich wie zuvor laufen. Doch Lange hatte ein anderes Gefühl: „Da ist noch etwas, was nicht stimmt. Wir machen und tun, aber den Fehler haben wir noch nicht gefunden.“ Ob vielleicht seine leichteren Anschieber zuletzt für unruhigere Fahrten verantwortlich waren? Nach den Fahrten mit Markus Zimmermann wird er darauf eine Antwort geben können.

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