Sport : Der Feind in meinem Team

Die Sauber-Teamkollegen Frentzen und Heidfeld demonstrieren Harmonie, wissen aber auch um die Brisanz des deutschen Duells in der Formel1

Karin Sturm

Melbourne. Sie kommen beide aus der gleichen Stadt, aus Mönchengladbach. Was sie eint, das ist ein Ziel: Mit dem Formel-1-Team von Sauber in der Saison 2003 den größtmöglichen Erfolg zu haben. Was sie trennt, sind unter anderem zehn Jahre Altersunterschied und sechs Jahre Erfahrungsunterschied: Heinz-Harald Frentzen, der 1994 für Sauber in der Formel 1 debütierte und jetzt zu seinem alten Team zurückkehrt, ist inzwischen 35. Er ist nach Olivier Panis der zweitälteste aktive Formel-1-Pilot, fährt seine zehnte Saison in der höchsten Klasse und hat bereits 141 Rennen, drei Siege und einen Vize-WM-Titel auf seinem Konto. Nick Heidfeld ist erst 25, wird in seinem vierten Formel-1-Jahr, dem dritten bei Sauber, immer noch als großes Talent gehandelt und brachte es in bisher 50 Rennen auf einen Podiumsplatz. Im Jahr 2001 wurde er in Brasilien Dritter.

Heidfeld muss beweisen, dass er endlich einmal über den Status des „großen Talents“ hinauszukommen vermag. Für Frentzen wiederum ist es die vielleicht letzte Chance, sich noch einmal unter den Top-Piloten zu etablieren. Und das in einer Welt, die eine eiserne Regel kennt: „Dein größter Gegner ist immer der eigene Teamkollege!“ Denn der ist der Einzige, der im gleichen Auto sitzt und den direkten Vergleich ermöglicht.

Eine solche Situation hat in der Formel 1 schon erbitterte Duelle und persönliche Feindschaften hervorgebracht: Ayrton Senna gegen Alain Prost bei McLaren Ende der Achtzigerjahre, Nigel Mansell gegen Nelson Piquet bei Williams 1986 und 87 – oder der tragisch endende Kampf von Gilles Villeneuve gegen Didier Pironi 1982 bei Ferrari, den Villeneuve auf der Rennstrecke mit dem Leben bezahlte.

Jetzt also auch noch Landsleute, direkte Nachbarn sozusagen, als Teamkollegen – kann das überhaupt gut gehen? Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen sind sich grundsätzlich in vielen Punkten einig: In ihrer Zuversicht über die Stärke des neuen Sauber, über die speziellen Unberechenbarkeiten dieses Saisonauftakts durch die neuen Regeln – und in ihrem Ärger darüber, dass es durch das Nachtank- und Umbauverbot nach dem Qualifying diese spezielle Disziplin in ihrer Reinform praktisch nicht mehr geben wird. Es sei eine gute Idee gewesen, mit der einen einzigen Runde für jeden, richtig interessant und spannend. Jetzt sei der Reiz raus, glauben beide. Bei so viel Übereinstimmung und bisher auch sehr guter Zusammenarbeit hoffen sie auch, die gesamte Saison ohne Streitereien und Ärger über die Bühne bringen zu können.

Der beidseitige Respekt ist groß, man ist überzeugt, sich gegenseitig weiter ans Limit treiben zu können. „Ich bin von Nicks Grundschnelligkeit wirklich beeindruckt“, sagt Frentzen über seinen jüngeren Kollegen, und der gibt die Komplimente zurück. „Ich denke schon, dass Heinz-Harald mich auf jeden Fall sehr stark fordern kann.“ Auch von außen wollen die beiden sie sich keinen Unfrieden hereintragen lassen, obwohl gerade Heidfeld befürchtet, dass dies von einigen Seiten sicher versucht werden wird. „Das hat man ja letztes Jahr in Indianapolis, als wir schon einmal zusammen gefahren sind gemerkt.“

Damals ersetzte Frentzen, nach der Arrows-Pleite arbeitslos geworden, für ein Rennen den Brasilianer Felipe Massa bei Sauber. „Was damals schon an Falschmeldungen und Fehlinterpretationen kursierte, das war eindrucksvoll", sagt er.

Was keiner offen ausspricht, was aber die Situation für beide nicht einfacher macht, ist die Gewissheit, dass eine teaminterne Niederlage für jeden einen deutlichen Karriereknick, vielleicht sogar das Karriereende bedeuten könnte. Gerade deshalb haben sie wohl beschlossen, sich so gut wie möglich gegen Störfeuer von außen zu wappnen. „Schon letztes Jahr haben wir vereinbart, dass wir nicht immer alles glauben wollen, was in den Zeitungen steht", sagt Heidfeld. „Und solche Dinge wird es bestimmt wieder geben. Ich lasse mich zwar gerne eines Besseren belehren, aber ich befürchte, damit müssen wir nun einmal leben."

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