Sport : Der Feind in meiner Stadt

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Stefan Hermanns über eine

halbgute Nachricht für Leipzig

Die Stadt Leipzig erlebt zurzeit ungewohnt glückliche Tage. Am Montag hat Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, die Stadt besucht, und seitdem gilt Leipzig zumindest nicht mehr als völlig aussichtsloser Bewerber für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012. Am Mittwoch hat es für die eine Hälfte der Stadt eine weitere gute Nachricht gegeben: Der VfB Leipzig, 1903 Deutschlands erster Fußballmeister und unter dem Tarnnamen 1. FC Lokomotive einer von drei Europacupfinalisten der DDR, wird nun endgültig aufgelöst. Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens wird der Name aus dem Vereinsregister gestrichen. Das freut alle Anhänger des Lokalrivalen Sachsen Leipzig.

Rivalität ist eine höchst unzutreffende Umschreibung für das Verhältnis der Leipziger Fußballvereine. Im Vergleich zu ihnen pflegen die Fans von Schalke und Dortmund eine fast romantische Liebesbeziehung. Nicht mal die schwindende Bedeutung der Leipziger Klubs hat an der Feindschaft ihrer Anhänger etwas geändert. Der VfB beendet gerade seine letzte Saison in der viertklassigen Oberliga, der FC Sachsen wird die Stadt dort in der kommenden Spielzeit vertreten.

Das ungesunde Konkurrenzverhältnis der beiden Klubs hat nur den Größenwahn befördert, dem der einst ruhmreiche VfB jetzt zum Opfer gefallen ist. Die Stadt ist zu eng für zwei ambitionierte Fußballvereine. Allerdings sollte sich niemand der Illusion hergeben, dass der FC Sachsen nach dem Ende seines Rivalen nun automatisch Leipzigs neuer Einheitsverein wird. Der VfB ist zwar verschwunden, der Hass seiner Anhänger auf den FC Sachsen aber wird bleiben.

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