Sport : Der Feind organisiert mit

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Robert Ide über alte Kader

beim Deutschen Turnfest

Was waren das für schöne Tage. Immer wenn die DDR zum Turnfest nach Leipzig lud, war das Zentralstadion ausverkauft, unten tanzten Sportler im Gleichschritt über einen riesigen Teppich, und von der Osttribüne grüßten bunte Losungen wie: „Dank dir, Partei.“ So viel Eindruck machte das Spektakel, dass selbst der Chef des Internationalen Olympischen Komitees, Juan Antonio Samaranch, Worte der Bewunderung fand.

Natürlich war das alles eine Frage der Organisation. Allein das Anzeigen der Parolen, ermöglicht durch Zehntausende Menschen mit bunten Stofftüchern, erforderte perfekte Regie. Wo in der DDR aber gute Organisation war, war meist die Stasi nicht weit. Oder andere Spitzeldienste. Beispiel 1987: Beim letzten DDR-Turnfest war Volker Mattausch Vizechef des Organisationsbüros. Mattausch war auch Reserveoffizier bei der Nationalen Volksarmee – mit geheimdienstlichen Aufträgen. Mit gefälschten Pässen reiste er in den Westen und warb Spitzel an. „In Bezug auf M., Volker ist davon auszugehen, dass er beim Gegner als Ermittler, Werber und Instrukteur eines Nachrichtendienstes der DDR umfassend bekannt ist“, zitierte „Die Welt“ aus Akten der Birthler-Behörde.

Am Wochenende gibt es ein neues Turnfest in Leipzig, Bundeskanzler Schröder wird es eröffnen. Chef-Organisator war Volker Mattausch. Nach den Enthüllungen wurde er am Montag vom Deutschen Turnerbund beurlaubt. Der Skandal wirft ein schlechtes Licht auf die Sportverbände. Sie schauen immer noch weg, wenn es um die jüngste deutsche Geschichte geht. Der Leipziger Sportwissenschaftler Harold Tünnemann hatte in der DDR eine Doping-Richtlinie unterschrieben, doch er ist weiterhin Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee. Oder Jörg Strenger. Er war hauptamtlicher Stasi-Offizier und wirkte auch beim DDR-Turnfest mit. Jetzt ist er Marketingchef der Friedensfahrt.

Den Sportfunktionären scheint das egal zu sein. Hauptsache, die Spiele gehen weiter. Und die Organisation stimmt.

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