Sport : Der Fisch in der Zeitung

KARSTEN DONECK

Trainer Hermann Gerland hat sich bei TeBe durchgesetztVON KARSTEN DONECKBERLIN.Die Begrüßung für Hermann Gerland fiel frostig aus.Als dann auch noch zum Einstand vier sieglose Spiele folgten, schlug die Stimmung beim kleinen, selten zufriedenen und meist lautstark seinen Unmut artikulierenden Anhang in Ablehnung um.Kein Wunder.Fußball-Regionalligist Tennis Borussia war nach der Entlassung von Rainer Zobel kurzzeitig von Stanislav Levy trainiert worden.Unter dessen Regie hatte die Mannschaft ihre beiden Spiele gewonnen.Und Levy, der Typ aufrechter Kämpfer, gilt bei TeBe sowieso als eine Art Symbolfigur.Was sollte da einer wie Gerland? Ins Herz geschlossen haben die TeBe-Anhänger den Mann aus dem Kohlenpott auch jetzt noch nicht unbedingt.Aber Gerland wird mittlerweile gebührender Respekt von den Rängen entgegengebracht.Kunststück: 20 Punktspiele in Serie sind die Borussen nun schon ungeschlagen.Und die Tabellenführung soll auch am Sonntag (14 Uhr, Mommsenstadion) gegen den Dritten Stahl Eisenhüttenstadt verteidigt werden. An den Beginn seiner Dienstzeit in Berlin vor fast genau einem Jahr am 18.Oktober 1996 erinnert sich Gerland noch gut."So ziemlich jeder hat damals auf mich eingeprügelt", sagt er.Der frühere Bochumer Bundesligaspieler ließ die Anfeindungen an sich abprallen.Und er zeigte sich obendrein als Ehrenmann.Als in jener Phase Angebote von Bundesligaklubs kamen, schlug er diese aus."Ich hatte einen Vertrag bei TeBe und eine Aufgabe übernommen, die es zu erfüllen gilt: Wir wollen aufsteigen." Gerland hat nach dem völlig verkorksten Abschneiden in der vorigen Saison, für das er nur bedingt Verantwortung trägt, das getan, was bei TeBe jedes Jahr getan wird: Er krempelte die Mannschaft grundlegend um.Aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern bewies Gerland Gespür dafür, Spielertypen zu finden, die auch zueinander passen."Die Mannschaft der vorigen Saison hätten Trapattoni, Beckenbauer und Rehhagel zu dritt trainieren können, und trotzdem wäre sie im Kampf um den Aufstieg gegen Energie Cottbus chancenlos gewesen", urteilt Gerland.Aber: Die Zeiten haben sich geändert.Grundlegend.Dank der Millionen-Investitionen des Sponsors "Göttinger Gruppe".Und dank Gerland.Der Trainer sagt, fast ein bißchen zu bescheiden: "Mit den Spielern, die mir jetzt zur Verfügung stehen, würde jeder andere Trainer auch Erfolg haben." Nur manchmal, da stellt auch Gerland noch fest, daß das professionelle Arbeiten bei TeBe auf Grenzen stößt.Als er nach einem Heimspiel zur Pressekonferenz eilte, verwehrte ihm eine Ordnerin den Zutritt zum VIP-Raum."Dann", scherzte Gerland mit der jungen Dame, "müssen Sie eben für mich die Pressekonferenz leiten." Der Hinweis half, er wurde durchgelassen.Ein paar Tage später las er in einer Boulevardzeitung, er habe mit der Kündigung gedroht, wenn ihm nochmal der Zutritt zum VIP-Raum verwehrt werden sollte."Absoluter Blödsinn", kommentierte Hermann Gerland die Meldung, "aber über solche Dinge rege ich mich schon gar nicht mehr auf, denn schließlich wird in die Zeitung von gestern der Fisch von heute eingepackt."

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