Sport : Der Fleischer war’s

Der Deutsche Tischtennis-Bund spricht Nationalspieler Dimitrij Owtscharow vom Dopingverdacht frei und hält kontaminiertes Essen für die Ursache

von
Zurückgespielt. Dimitrij Owtscharow kann sich auf entlastende Indizien berufen. Foto: AFP
Zurückgespielt. Dimitrij Owtscharow kann sich auf entlastende Indizien berufen. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Zu Unrecht des Dopings verdächtigt – ob ihm das etwas anhaben konnte, wird Dimitrij Owtscharow Ende des Monats einem größeren Publikum zeigen können. In Magdeburg findet der World Cup der weltbesten Tischtennisspieler statt, und Owtscharow hat sich bis dahin vielleicht schon etwas erholt vom bisher größten Schock seiner noch jungen Karriere: einer positiven Dopingprobe mit dem anabolen Wirkstoff Clenbuterol. Der 22-Jährige darf jedenfalls in Magdeburg spielen. Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) hob seine Suspendierung mit sofortiger Wirkung auf.

„Obwohl ich für mich immer wusste, niemals gedopt zu haben, bin ich sehr erleichtert, dass diese Tatsache nun für jedermann nachvollziehbar ist“, teilte der Mannschafts-Europameister mit. Durch Tests, Anhörungen und Nachforschungen war der Verband zu dem Ergebnis gekommen, dass die positive Probe auf kontaminiertes Fleisch zurückzuführen ist. Owtscharow muss es bei den China Open im August zu sich genommen haben. In einer Haarprobe Owtscharows fanden sich jedenfalls keine Spuren von Clenbuterol. Mit einer Haaranalyse lässt sich zeigen, ob diese Substanz mehrmals und in wirksamen Dosierungen genommen wurde.

Dafür ergaben Tests, dass auch seine Mannschaftskollegen in China mit Clenbuterol in Berührung gekommen sein müssen. Diese Tests wurden auf Anregung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) mit einer feineren Nachweismethode durchgeführt. Die gefundene Konzentration liegt unter der für eine Sanktion erforderlichen Grenze.

Der DTTB hätte noch die Gelegenheit gehabt, ein Verbandsgerichtsverfahren zu eröffnen, um den Fall auf die nächsthöhere Stufe zu bringen. „Das wäre Förmelei gewesen“, sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert. „Es gab nur ein Ergebnis: Verfahren einstellen. Alles andere wäre verantwortungslos dem Sportler gegenüber gewesen.“ Die Suspendierung hätte sonst noch Wochen Bestand gehabt.

In das Verfahren hatte der DTTB auch die Nada und den Dopinganalytiker Wilhelm Schänzer vom Kölner Kontrolllabor eingeschaltet. Schänzer kam zu dem Schluss, dass die Aufnahme von Clenbuterol über kontaminierte Nahrungsmittel „wahrscheinlichste Befunderklärung“ ist.

Drei Institutionen können jetzt noch ihr Veto einlegen. Die Nada, die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und der Internationale Tischtennis-Verband (ITTF). Dafür spricht im Moment jedoch nichts. „Wir respektieren die Einschätzung der Nada und haben eine Nada-Entscheidung bisher noch nicht angefochten“, sagte Jordi Serra, der Generalsekretär der ITTF. Die Nada will erst noch die Unterlagen auswerten. Ihr Sprecher Berthold Mertes sagte jedoch: „Der Fall ist bisher sauber abgelaufen.“

Was aus dem Fall folgt, will der DTTB nun mit der ITTF und chinesischen Funktionären erörtern. „Natürlich fahren wir auch weiterhin nach China, um dort zu spielen und dort zu trainieren“, sagte Weikert. Die ITTF hält das Problem für kaum lösbar. Die einzige Vorsichtsmaßnahme sei, sagte Serra, den Spielern immer eine gute Hotelunterkunft zu besorgen und ihnen vom Essen in einfachen Restaurants abzuraten.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar