Sport : Der Fluch der Eleganz

André Görke

Cristian Fiel legte sich den Ball an die Eckfahne und hob kurz den Kopf. Unions Spielmacher Kostadin Widolow stand allein am Aachener Strafraum, ungedeckt, kein gegnerischer Spieler weit und breit. Fiel schlug den Ball auf Widolow, der volley zum 3:0 traf. Ein wunderschönes Tor. Unions Stadionsprecher André Rolle jubelte: "Das kennen wir doch schon!"

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Guten Fußball, schöne Tore: Ja, so etwas kennen sie wirklich beim 1. FC Union. Vor einigen Wochen hat Widolow schon einmal ein ähnliches Tor erzielt, beim 5:0 über den SSV Reutlingen. Damals, im September, stand Union als Aufsteiger aus der drittklassigen Regionalliga auf einem Aufstiegsplatz in die Erste Bundesliga. Die Euphorie war riesig. Dann kam der Oktober, und Union war nach fünf Spielen ohne Sieg nur noch Mittelmaß. Aus Helden wurden Durchschnittsspieler. "Es kann doch nicht alles schlecht sein, was zuvor noch gut war", hatte Unions Manager Klaus Berge in jenen Tagen oft gesagt.

Nach dem 5:1-Sieg über Alemannia Aachen am Sonntagnachmittag meinte Berge: "Es kann doch nicht alles auf einmal gut sein, was zuletzt in Frage gestellt wurde." Der 1. FC Union hat dazugelernt. Der Sieg gegen Aachen war deutlich und erinnerte in Ansätzen an vergangene, erfolgreiche Spiele. Mitten im November bricht der September aus, hat die "Berliner Zeitung" geschrieben. Nur Helden wollen Unions Spieler nicht mehr so schnell sein. Die Worte nach dem ersten Sieg nach der sportlichen Talfahrt klingen realistischer. "Wir haben eine spielerisch gute Mannschaft", sagt Berge. "Gute Fußballer sind aber sensibel." Nach Rückständen spiele die Mannschaft verunsichert und mache Fehler. Das Selbstvertrauen schwand. Weniger begabte Fußballer hätten in solchen Phasen einen Vorteil, sagt Klaus Berge. "Sie tun einfach das, was sie immer können: kämpfen." Union hat nicht viele von diesen Spielertypen, die grätschen und ackern und laufen und sich nicht übermäßig viel dabei denken.

Der 1. FC Union ging gegen Alemannia Aachen in Führung. Das war entscheidend, danach lief vieles leichter. Alemannia Aachen brach ein. Das täuschte über manche Defizite bei den Berlinern hinweg. "Wenn du 3:0 in Führung liegst, traust du dir automatisch mehr zu", sagt Cristian Fiel. So einfach sei das. Die Aachener hatten zugelassen, dass Union überhaupt ins Spiel kam. "Der Ball lief gut", sagt Mannschaftskapitän Steffen Menze. "Aber das machte nur das Ergebnis möglich." Bis zum Berliner Führungstor nämlich gelang nicht viel. Hätte Aachen in dieser Phase das Führungstor erzielt, wäre Union vermutlich genauso in Schwierigkeiten geraten wie in den vergangenen Wochen. Gewonnen hat die Mannschaft nach einem Rückstand in dieser Saison noch nicht.

Vier Punkte liegt der 1. FC Union hinter einem Aufstiegsplatz. Die Mannschaft leidet nicht mehr unter der Doppelbelastung durch den Uefa-Pokal. Kann sich der 1. FC Union nun oben festsetzen, ist Steffen Menze am Sonntag gefragt worden. Seine Antwort: "Nur wenn wir uns noch verstärken. So ist die Mannschaft nicht stabil genug."

Kommenden Sonntag spielt Union in Unterhaching. Danach heißen die Gegner Bochum und Mainz. Es kann von Vorteil sein, dass Union den schönen Fußball wiederentdeckt hat.

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