Sport : Der Fluch der späten Tat

Stefan Hermanns

vergleicht das Davis-Cup-Team mit den alten Helden Alexander Waske war zehn Jahre alt, als die guten Tage des deutschen Tennis begannen. Vor kurzem hat er erzählt, wie es damals war, als Deutschlands Tennishelden im Davis-Cup antraten. Die halbe Nation verbrachte das ganze Wochenende vor dem Fernseher, um Becker, Westphal und Jelen bei der Arbeit zuzusehen. „Wenn man das nicht getan hätte, wäre man geächtet worden“, sagt Waske, der nun selbst im Davis-Cup spielt. Er hofft, dass den Zehnjährigen von heute einmal ein ähnliches Erlebnis zuteil wird wie ihm damals. Vermutlich wird das ein Wunsch bleiben.

Wenn ein Zehnjähriger das vergangene Wochenende mit dem deutschen Davis- Cup-Team hätte verbringen wollen, hätte er beim DSF am Freitag zum Zeitpunkt der ersten Ballwechsel das gewohnt dämliche Quizprogramm des Senders gesehen, am Samstag die Entscheidung im Doppel verpasst und am Sonntag das große Finale. Von der sportlichen Dramaturgie her war das 3:2 in Tschechien eine Reminiszenz an die bewegenden Zeiten des Davis- Cups, eine Begegnung mit unerwarteten Wendungen – und vor allem mit gutem Ende für die Deutschen. Der Fernsehzuschauer aber hat von all dem wenig mitbekommen. Man kann dafür das Fernsehen schelten, die Schuldigen aber sind die Tennisspieler selbst. Sie haben die Sehnsucht des Publikums nach großen Gefühlen viel zu lange unerfüllt gelassen. Es waren die Spieler, die sich am Wochenende als würdige Erben von Boris Becker erwiesen haben. Doch so wie es aussieht, kommt das ein bisschen zu spät.

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