Sport : Der Fluch des 15. Tores

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Berlin. Sreto Ristic zeigte Einsicht. Und übte damit Verzicht. Verzicht auf einen möglichen Zusatzverdienst von rund 50 000 Euro. Diese Sonderprämie steht festgeschrieben in seinem Vertrag, auszahlbar für den Fall, dass der Stürmer für den 1. FC Union in dieser Saison mindestens 15 Tore schießt. 14 Tore hat er bereits. Mehr werden es nicht. Morgen im Spiel beim VfL Bochum verzichtet Trainer Georgi Wassilew auf den Einsatz seines torgefährlichsten Profis. Am Montag unterzieht sich Ristic wegen immer wiederkehrender Beschwerden einer Kniespiegelung und wird dann im letzten Spiel am 5. Mai daheim gegen Mainz 05 ebenfalls fehlen.

In Bochum wollte Ristic eigentlich noch auflaufen, doch der Trainer sowie Präsident Heiner Bertram stimmten ihn um. Warum? Finanzielle Gründe waren angeblich nicht ausschlaggebend. „Bei aller Sparsamkeit: Wir würden ihm das Geld gerne zahlen. Ein Mann wie er, der uns nicht nur als glänzender Spieler, sondern auch als fantastischer Mensch durch die Saison begleitet hat, hat das Recht auf eine solche Extraprämie“, rechtfertigt Bertram die „Lex Ristic“.

Gründlich ärgert sich der Präsident hingegen darüber, dass die Sonderregelung mit Ristic überhaupt öffentlich gemacht wurde. Ohne den n auszusprechen, macht er für den Geheimnisbruch den inzwischen ausgeschiedenen Manager Klaus Berge verantwortlich. Der soll angeblich die Modalitäten in Ristics Vertrag ausgeplaudert haben. „Eine Riesensauerei“ sei da passiert, so Bertram „und Indiskretion im Fußballgeschäft ist für mich eine der schlimmsten Sünden“.

Nachdem Ristics Prämie erst einmal bekannt war, beobachtete Georgi Wassilew in der Mannschaft einen Stimmungsumschwung. Kontrovers diskutierten die Union-Profis über die Berechtigung solcher Sonderzahlungen an einzelne Spieler. Neid machte sich breit. „Die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft ist derzeit etwas kompliziert“, drückt Wassilew die klimatischen Veränderungen sehr vorsichtig aus. Dem Teamwork, mithin die Quelle aller Union-Erfolge, drohte nachhaltiger Schaden. Nicht einmal ausgeschlossen, dass Ristic gegen Bochum von einigen Mannschaftskameraden geschnitten worden wäre: keine Flanken, keine Tore. Also stellt Wassilew ihn gar nicht erst auf.

Der Effekt bleibt für Sreto Ristic gleich - und unbefriedigend: kein Einsatz, kein 15. Tor. Und doch reagierte Sreto Ristic gelassen, nachdem ihm Präsident Bertram von der Nichtberücksichtigung für das Bochum-Spiel in Kenntnis gesetzt hatte. „Ich habe“, so Bertram, „kein klagendes Wort von ihm gehört.“ Ristic hat dabei immer wieder versichert: „Ich kämpfe nicht für mein 15. Tor, sondern für den Verein, für die Mannschaft.“ Das hat bei Union wohl nicht jeder Profi kapiert.

Ristic wird auf seine Sonderprämie verzichten müssen. Ihren Neid können die Mitspieler damit getrost vergessen. Gut für Union. Und für Wassilew. Der sagt: „Nächstes Jahr spielen wir ja wieder mit diesen Leuten.“ Und Ristics Tore können Union auch dann nicht schaden. Karsten Doneck

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