Sport : Der Fluch des Erfolges

Wie verkraftet Werder die Champions League?

Steffen Hudemann

Was ist neu?

Zum ersten Mal seit der Saison 1993/94 spielt Werder wieder in der Champions League. Die Euphorie in Bremen ist riesig. Das Auftaktspiel heute gegen Schalke 04 war vor Wochen ausverkauft. Doch die Spiele in der Champions League sind auch eine zusätzliche Belastung für die Profis. In der vergangenen Saison war es ein großer Vorteil, dass die Bremer häufig mit derselben, eingespielten Stammelf antreten konnten. Die zusätzlichen Spiele erhöhen nun das Risiko von Verletzungen. Bremen muss auf der Ersatzbank stärker besetzt sein als bisher. Außerdem wird Werder nicht wie noch zu Beginn der vergangenen Saison von der Rolle des Außenseiters profitieren.

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Wer ist der Star?

Fünf Millionen Euro Ablöse hat der Klub für Miroslav Klose vom 1. FC Kaiserslautern bezahlt. Er soll den zu Schalke 04 gewechselten Torschützenkönig Ailton ersetzen. Das heißt aber nicht, dass der zuletzt formschwache Nationalstürmer eine Garantie auf einen Stammplatz hat. Denn dort sind die Bremer auch ohne Ailton stark besetzt. Ivan Klasnic war schon in der Meistersaison einer der Besten. Auch der Grieche Angelos Charisteas, Schütze des Siegtors im EM-Finale, wird sich mit der Rolle als Ersatzspieler nicht mehr zufrieden geben. Und dann ist da noch der Paraguayer Nelson Valdez, der schon in der vergangenen Saison bei seinen wenigen Einsätzen groß aufspielte.

In der Vergangenheit war es bei Werder oft so, dass Spieler glänzten, die anderswo nicht aufgefallen waren. Valerien Ismael war unzufrieden bei Racing Straßburg, Johan Micoud saß in Parma auf der Bank, Ailton lief irgendwo in Mexiko ins Abseits. Auch Fabian Ernst und Frank Baumann wurden erst bei Werder zu Nationalspielern. Gleiches könnte nun dem aus Bochum gekommenen Verteidiger Frank Fahrenhorst gelingen. Mit dem Finnen Petri Pasanen von Ajax Amsterdam und dem brasilianischen Nationalspieler Gustavo Nery holte Werder Verstärkung für die Außenbahnen. Für das Mittelfeld kam außerdem der dänische EM-Teilnehmer Daniel Jensen.

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Was ist möglich?

Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs planen langfristig. Fünf Jahre lang haben sie gemeinsam daran gearbeitet, mit einem geringen Budget eine Mannschaft zu formen, die in der vergangenen Saison Meister und Pokalsieger wurde. In den kommenden Jahren soll sich diese Mannschaft in der Spitzengruppe der Bundesliga festsetzen. Als Minimalziel für die neue Saison hat Allofs die Qualifikation für den Uefa-Cup ausgegeben, mindestens Platz fünf also. Das sollte gelingen, trotz der Abgänge von Innenverteidiger Mladen Krstajic und Stürmerstar Ailton. In den Vorbereitungsspielen und im Ligapokal war vor allem Klasnic in beeindruckend guter Form. Zudem bleibt das Mittelfeld zusammen, in der vergangenen Saison der stärkste Mannschaftsteil. Spielmacher Johan Micoud verlängerte seinen Vertrag bis 2007.

Nicht so gut sieht es in der Abwehr aus. Nach dem Weggang von Krstajic fehlt in der Viererkette noch die Abstimmung. Fahrenhorst, Pasanen und Torhüter Andreas Reinke machten keinen sicheren Eindruck. Wenn Trainer Schaaf dieses Problem in den Griff bekommt und sich keiner der zentralen Spieler Ismael und Micoud verletzt, ist die Qualifikation für die Champions League möglich. Schaaf sieht keine Probleme, seine Mannschaft zu motivieren: „Die Spieler sind weiter hungrig.“ Doch auch er weiß: Eine Saison wie die vergangene werden sie in Bremen so schnell nicht wieder erleben.

Heute im Fernsehen:

Werder Bremen - Schalke 04, live in der ARD und auf Premiere.

SPIELBEGINN 20.30 Uhr

Morgen: Bayern München

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