Sport : Der Fluch lebt weiter

Wieder einmal scheitern Bostons Baseballer vorzeitig

Antonin Finkelnburg

Die schönste Nebensache der Welt ist das Baseballspiel für die Amerikaner schon lange nicht mehr. Die Stadien sind an den 162 Spieltagen nur selten ausverkauft. Football, Basketball und sogar Catchen haben höhere Einschaltquoten. Die große Zeit des Baseballs liegt in der Vergangenheit. Doch das ist auch seine Stärke.

Wenn im Oktober mit den Play-off-Spielen das Rennen um die Meisterschaft – ganz unbescheiden World Series genannt – einsetzt, stehen dort auch die Legenden aus 170 Jahren mit auf dem Platz. Das entscheidende siebente Play-off-Spiel am Donnerstagabend in New York schrieb eine solche Geschichte fort. Wieder zeigte sich das Schicksal den Boston Red Sox nicht gewogen, die im vorletzten Spielabschnitt der Partie erneut in Führung lagen. Doch den New York Yankees gelang es wie durch ein Wunder, einen 2:5-Rückstand aufzuholen. In der Verlängerung schlug New Yorks Aaron Boone, zuvor aufgrund schwacher Leistungen auf die Ersatzbank verbannt, den entscheidenden Homerun. Die Yankees gewannen 6:5 und zogen in das Finale gegen die Florida Marlins ein.

Die Rivalität zwischen den Red Sox und den Yankees ist die älteste der Liga. Sie basiert auf dem wohl bekanntesten Fluch der amerikanischen Sportgeschichte, dem „Curse of the Bambino“. 1919 verkaufte der Besitzer der Red Sox, die von den ersten 15 Meisterschaften fünf gewonnen hatten, George Herman Ruth, der später auch als „Babe“ oder „The Bambino“ bekannt wurde. Ruth entwickelte sich bei den Yankees zum besten Spieler aller Zeiten und gewann mit den New Yorkern vier Meistertitel. Seit Ruths Weggang gewann Boston keinen Titel mehr. 1978 verlor Boston ein Entscheidungsspiel gegen die Yankees durch einen Homerun von Bucky Dent, einem unbedeutenden Ersatzspieler. 1986 verloren die Red Sox die Meisterschaft, weil Bill Buckner, sonst einer der zuverlässigsten Spieler der Red Sox, einen Kullerball unter seinem Handschuh durchrutschen ließ. Diesmal hieß der Matchwinner der Yankees Aaron Boone. Die „New York Times“ hat schon einen Slogan gefunden, der Bostons Schicksal treffend beschreibt: „Babe, Bucky, Buckner, Boone“. Der Fluch lebt weiter.

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