Sport : Der Flüsterer

Herthas Bastürk ist am stärksten, wenn er einen anderen Spielmacher unterstützt – heute soll er Marcelinho in Leverkusen helfen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wenn Yildiray Bastürk sich mit Journalisten unterhält, dann rücken diese meist sehr, sehr eng zusammen. Manchmal drängeln und stoßen sie sich sogar ein bisschen. Einerseits liegt das wohl daran, dass der Mittelfeldspieler so wichtig für seinen Bundesliga-Klub Hertha BSC ist. Der wohl ausschlaggebendere Grund ist aber ein anderer: Bastürk flüstert in die Mikrofone. „Er ist eben ein ruhiger Typ“, sagt Klaus Toppmöller. Der Trainer kann als so etwas wie der Entdecker Bastürks bezeichnet werden. Toppmöller holte Bastürk 1997 von Wattenscheid 09 in die Bundesliga zum VfL Bochum. „Ich musste ihn dazu wirklich überreden“, sagt Toppmöller. Später überredete Toppmöller Bastürk nach eigener Aussage zu einem Wechsel von Bochum nach Leverkusen. Heute spielt der Türke Bastürk mit Hertha in Leverkusen. „Das ist schon noch etwas Besonderes für mich“, sagt Bastürk.

Bastürk spielte drei Jahre in Leverkusen, in der Saison 2001/2002 wurde er unter Toppmöller Zweiter in der Meisterschaft, Zweiter in der Champions League und Zweiter im DFB-Pokal. „So gut wie in diesem Jahr hat er später nie mehr gespielt“, sagt Toppmöller. Das habe vor allem daran gelegen, dass Bastürk die Rolle als Zuarbeiter für Michael Ballack ausgezeichnet gelegen habe. Im vergangenen Jahr spielte der 26-jährige Bastürk in Berlin auf einer ähnlichen Position neben Marcelinho und glänzte dabei.

Doch in dieser Spielzeit steckt der Brasilianer Marcelinho in einer Formkrise und auch Yildiray Bastürk ist bislang noch nicht wieder so stark wie in der vorigen Saison. Das hängt wohl mit Marcelinhos Schwäche zusammen. Unter anderem. Denn auch durch einige kleinere Verletzungen hat Bastürk seinen Rhythmus noch nicht gefunden, vom 10. bis zum 13. Spieltag stand er wegen einer Knieprellung dreimal hintereinander nicht in der Startformation. „Die Prellung habe ich viel schneller überwunden, als ich gedacht hatte. Ich bin jetzt wieder fit“, sagt er.

Vor einer Woche erzielte Bastürk den wichtigen Anschlusstreffer gegen Borussia Mönchengladbach (2:2), beim Uefa-Cup-Spiel in Genua zählte Bastürk zu den stärkeren Berlinern. Nur war der Türke Herthas einziger echter Antreiber im Mittelfeld, weil Marcelinho motivationslos über den Platz trottete. „Bastürk kann seine Mitspieler durch überragende Leistungen mitziehen“, sagt Toppmöller. „Er redet zwar nicht viel, aber das ist bei seinen mitreißenden Aktionen auch nicht nötig, um die anderen heiß zu machen.“ Bei Marcelinho ist Bastürk das allerdings noch nicht gelungen.

Herthas Manager Dieter Hoeneß findet nicht, dass Bastürks Leistungen momentan besondere Bedeutung zukommt. „Bei uns ist es einfach immer wichtig, dass die Leistungsträger auf ihrem Niveau spielen.“ In Leverkusen kann sein Klub nach langer Zeit wieder auf alle Schlüsselspieler der vergangenen Saison zurückgreifen. Nur Pal Dardai und Oliver Schröder fehlen verletzungsbedingt, Kevin-Prince Boateng und Alexander Madlung sind angeschlagen. „Es hat unser Spiel gekennzeichnet, dass Bastürk und Gilberto lange nicht dabei waren“, sagt Hoeneß. Der Brasilianer Gilberto wird nach seinem Anriss des Syndesmosebandes erstmals seit dem neunten Spieltag wieder zum Einsatz kommen.

Klaus Toppmöller glaubt trotzdem nicht, dass Hertha in Leverkusen gewinnen kann. „Leverkusen ist mal wieder an der Reihe“, sagt er. Den Berlinern fehle es zudem an Durchschlagskraft im Angriff. „Wenn die einen wie Berbatow holen würden, dann wären sie deutlich stärker“, sagt er. Bastürk ist anderer Meinung: „Wir müssen hinten wieder kompakt stehen, die Null halten, dann können wir das schaffen“, sagt er, schweigt für ein paar Sekunden und flüstert dann: „Einfach wird es nicht, Leverkusen ist sehr heimstark.“

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