Sport : Der Freund des Kanzlers

Ingo Wolff

Es gibt ein Thema, über das möchte Hugo Simon am liebsten nicht sprechen. Doch irgendwie drängt sich die Frage immer wieder auf: Was ist aus der Freundschaft mit Helmut Kohl geworden? "Helmut Kohl ist mein Freund", sagt der Springreiter - und damit endet seine sonst so große Gesprächsbereitschaft. Nach dem Tod von Hannelore Kohl sei der Kontakt zwischen den beiden abgebrochen. Zudem wohne der Altkanzler nun dauerhaft in Berlin, weit weg von Oggersheim und Simons Hof in Weisenheim, das rund 14 Kilometer entfernt liegt.

Berühmt geworden ist diese Männerfreundschaft durch einen Zwischenruf des damaligen Kanzlers beim CHIO in Aachen. "Mein Landsmann!", rief Kohl nach einem gelungenen Durchgang seines Freundes. Das hat den einen oder anderen unbedarften Zuschauer dann doch überrascht. Schließlich ist Simon seit 1972 Österreicher und als solcher auch in der ganzen Welt bekannt.

Es war eine kuriose Geschichte vor den Olympischen Spielen in München, die Simon vor knapp 30 Jahren zum Fahnenwechsel bewegte. Das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei legte damals keinen Wert auf Simon, wohl aber auf dessen Erfolgsstute Fair Lady, die der deutschen Equipe mit Hans-Günther Winkler, Fritz Ligges, Hartwig Steenken und Gerd Wiltfang zur Verfügung stehen sollte. Simon fühlte sich brüskiert und fragte in Wien an, ob sein Geburtsort Krummwasser nicht ausreiche, um einen österreichischen Pass zu erhalten. Das mährische Krummwasser heißt heute Krumnow und gehörte bis 1918 zur k.u.k.-Monarchie.

Hauptberuflich ist Simon Pferdehändler, die sportliche Reiterei ist nur ein Hobby und strikt von der Hugo Simon GmbH getrennt. Trotzdem hat ihn sein Hobby zum Millionär gemacht. Genau genommen war es sogar nur ein Pferd: E.T., mit dem er inzwischen alle Großen Preise der Welt gewonnen hat und mit dem er auch an diesem Wochenende beim CHI in Berlin an den Start gehen wird. Mit E.T. ist der dreifache Weltcupsieger zum Publikumsliebling aufgestiegen, er hat für den kleinen Österreicher aus der Pfalz inzwischen 50 Autos und sechs Millionen Mark Preisgeld ersprungen und ist damit zum erfolgreichsten Pferd der Geschichte geworden. Allein 1998 hat der Hengst so viel gewonnen wie das bis dahin erfolgreichste Pferd Dollar Girl im ganzen Leben.

Weil E.T. in jenem Jahr auch noch die beiden letzten fehlenden Großen Preise in Aachen und Stuttgart für Hugo Simon gewann, gab ihm sein Besitzer 1999 ein Jahr Pause. In dieser Zeit war E.T vor allem in der Obhut seiner Pflegerin Margit Herzau. Wie Ludger Beerbaum legt auch Hugo Simon großen Wert darauf, dass seine besten Pferde eine enge Beziehung zu ein und derselben Pflegerin haben. "E.T. liebt Gummibärchen, aber nur die echten", erzählt die Pflegerin. "Und er bewacht mich, wenn ich bei Turnieren in seinem Stall schlafe."

Eines Tages, wenn E.T. nicht mehr schnell genug über Stangen und Planken springen kann, wird Margit, die Pflegerin, den Hengst geschenkt bekommen. "Das habe ich ihr versprochen", sagt Simon - obwohl der Hengst 1994 nur mit vier weiteren Pferden zu haben und somit unverhältnismäßig teuer war. Noch heute lacht er über die Geschichte, wie er in einer langen und trinkfreudigen Nacht dem Besitzerehepaar E.T. doch noch abringen konnte, obwohl zeitgleich zahlreiche Auktionsgäste den ganzen Abend auf seinem Hof warten mussten. Die hohe Investition hat sich ausgezahlt, der nunmehr 13-Jährige kann seine Karriere allmählich ausklingen lassen. Und sein Reiter wohl auch. "Wenn E.T. sein hohes Niveau nicht mehr hält, dann höre ich auch auf", sagt Simon. Doch zumindest in diesem Jahr wird Margit noch einmal den Transporter beladen und Richtung Berlin fahren.

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