Sport : Der Frühaufsteiger

Einst war Andreas Brockmann jüngster Spieler beim BSC Preussen, nun ist er jüngster Trainer in der DEL

Claus Vetter

Berlin - Vier Jahre ist es her, da hat Andreas Brockmann eine große berufliche Chance verpasst. Angeblich hatte er Pierre Pagé, den damaligen Cheftrainer der Eisbären, als „arrogant“ bezeichnet. So ein Pech aber auch, dass Pagé das gehört hatte. Der Kanadier war nach Brockmanns Zitat fuchsteufelswild. Dabei hatte er Brockmann, seinerzeit Trainer des Drittligisten Berliner Schlittschuh-Club, als „talentierten jungen Mann“ gelobt und damit geliebäugelt, ihn zu seinem Assistenten bei seinem Team in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu berufen. Danach wurde Brockmann nicht Kotrainer der Eisbären – und trotzdem, Karriere hat er auch so gemacht. Seit einigen Wochen ist er Cheftrainer bei den Nürnberg Ice Tigers, heute am zweiten Spieltag Gastgeber der Eisbären (Beginn 18.30 Uhr).

Andreas Brockmann ist ganz oben angekommen. Mit 41 Jahren ist er jüngster Coach der DEL - genauso jung ist nur Wolfsburgs Toni Krinner. „Dass es so schnell für mich gegangen ist, freut mich um so mehr“, sagt er. „Natürlich war die DEL mein höchstes Ziel.“ Den Job in Nürnberg hat sich der Mann aus dem bayerischen Greiling hart erarbeitet. Nach seinem Engagement in Berlin war er in der dritten Liga beim SC Rießersee, dann bei Zweitligist EV Landshut. Ein steiler Aufstieg in einer von Nordamerikanern dominierten Branche – zehn Trainer in der DEL kommen aus Kanada und den USA. „Bei den vielen nordamerikanischen Spielern musst du dir als deutscher Trainer schon Respekt verschaffen“, sagt Brockmann.

Wenn er spricht, dann verrät er seine Herkunft, obwohl er beruflich fast immer fernab von der Heimat zu tun hatte. Dabei spielte Berlin schon am Karriereanfang eine besondere Rolle: Bereits 1985 stürmte er für den BSC Preussen – mit 18 Jahren war er jüngster Spieler im Team. Damals galt der Neffe von Berlins Eishockkey-Legende Lorenz Funk als großes Talent. Ein Versprechen, das er einlösen konnte. Sein größtes Spiel hatte er wohl 1992 beim Viertelfinale der Olympischen Spiele in Frankreich gegen Kanada. Der Augenblick, in dem der Puck nach dem entscheidenden Penaltyschuss von Peter Draisaitl nicht die Linie überqueren wollte, ist zu einem tragischen Moment der deutschen Eishockey-Geschichte geworden – Brockmann war dabei. Kanada hatte schon 2:1 im Penaltyschießen geführt. „Da haben auf der Auswechselbank alle nach unten geschaut. Keiner wollte schießen.“ Ja mei, da hat er’s halt gemacht, der Brockmann Andreas und ohne Nerven zum 2:2 getroffen. Dann aber schoss Eric Lindros das 3:2 und dann verschoss Draisaitl. Deutschland schied aus. Es blieben dem Spieler Brockmann einige nationale Erfolge. Von 1988 bis 1997 wurde er mit Düsseldorf vier Mal Deutscher Meister. Danach rundete er seine Spielerkarriere in der Saison 1998/1999 in Berlin ab – bei den Eisbären. Peter John Lee, damals Trainer und heute Manager der Eisbären, setzte ihn wenig ein. „Wir kannten uns schon aus unserer Zeit als Spieler in Düsseldorf“, erinnert sich Brockmann. „Damals hat unser gutes Verhältnis ein wenig gelitten.“

Was soll es, heute interessiere das nicht mehr, sagt Brockmann. „Natürlich freue ich mich auf das Spiel gegen die Eisbären.“ Und natürlich sind die Berliner als Meister und nach ihrem 2:1-Auftaktsieg in Köln heute Favorit gegen die Nürnberger, die nach dem 2:4 in Frankfurt etwas zeigen müssen. Brockmann ist sich aber sicher, dass er seine Ziele verwirklichen kann mit den Franken, trotz Sparkurs beim Hauptrundenersten der Vorsaison: „Wir wollen in die Play-offs.“

Drei Punkte gegen die Eisbären wären auf diesem Wege nicht schlecht. Apropos Eisbären. Die Sache mit Pagé? Andreas Brockmann schmunzelt. „Den Pierre habe ich nie arrogant genannt, da bin ich falsch zitiert worden.“ Er hätte mit seinem Kollegen sogar noch eine klärende Aussprache gehabt. Geschadet hat es seiner Karriere nicht.

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