Sport : Der Fußball des Winters

-

Benedikt Voigt über die Faszination

des alljährlichen Skispringens

Zunächst eine blöde Frage: Welche Sportart lockt in Deutschland die meisten Zuschauer vor den Fernseher? Wer jetzt nicht „Fußball“ antwortet, stammt entweder aus den USA oder kann mit dem Wort Sport ohnehin nicht viel anfangen.

26,52 Millionen Menschen sahen im vergangenen Jahr das FußballWM-Finale zwischen Deutschland und Brasilien. Doch jetzt wird es schwierig: Wie heißt die Sportart, die nach Fußball die meisten TV-Zuschauer hatte? Formel 1 wäre eine berechtigte Antwort, Boxen auch oder Schwimmen. Stimmt alles nicht. Fernsehsport Nummer zwei in Deutschland im Jahr 2002 war…

…Skispringen.

13,3 Millionen Menschen saßen am 6. Januar vor dem Fernseher, als Sven Hannawald in Bischofshofen siegte und als Erster alle vier Springen der Vierschanzentournee gewann. Auch die diesjährige Tournee, die am Samstag mit der ersten Qualifikation in Oberstdorf beginnt, verspricht gute Quoten. Noch haftet Hannawalds Triumph im Gedächtnis der Nation, wie seine Wahl zum Sportler des Jahres 2002 bewies. Auch der Olympiasieg der Mannschaft in Salt Lake City ist noch nicht vergessen. Immerhin kamen Hannawald, Martin Schmitt, Stephan Hocke und Michael Uhrmann bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres auf Platz drei. Skispringen profitiert in Deutschland von drei glücklichen Umständen: Da ist die sportliche Leistung, die seit drei Jahren kontinuierlich gut ist. Da sind die beiden Stars Sven Hannawald und Martin Schmitt, die ihre Rolle als Lieblinge kleiner Mädchen und großer Mütter verinnerlicht haben. Und da ist der Fernsehsender RTL, der das alles ausführlich und werbewirksam in Szene setzt.

Ein Ende des Skisprungwahns ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, es geht wieder richtig los.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben