Sport : Der Fußball trauert

Werner Hackmann, der Chef der DFL, ist gestern überraschend verstorben

Robert Ide

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Leben als öffentliche Person zu führen. Die beste ist wohl, in der sichtbaren Rolle aufzugehen, ohne das Private in sich aufzugeben. Werner Hackmann hat das geschafft. Es ist eine von vielen Lebensleistungen. Am Ende ist es sicher seine wichtigste gewesen.

Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und zuweilen Taktiker der Macht, hat sein eigentliches Leben nie verleugnet. Er hat den Krebs nicht versteckt, der sich seit 1999 durch seine Lunge fraß. Wie zum Trotz hat er weiter Zigarillos geraucht, hat gelacht. Am Freitag noch lief er auf dem Uefa-Kongress in Düsseldorf umher und erklärte in seiner öffentlichen Funktion, dass der neue Uefa-Präsident Michel Platini seine Träume doch bitte mit den Interessen der wichtigen Klubs abzugleichen habe. Im privaten Gespräch gab er sich wieder locker, sagte, dass es ihm besser gehe nach den Eingriffen und Chemotherapien, nur der gebrochene rechte Arm schmerze. Und er zeigte auf seinen Kopf, dessen Kahlheit noch vor einem halben Jahr vom Kampf mit der Krankheit kündete. Die Haare wuchsen wieder. Es sah gut aus für Werner Hackmann, er sah gut aus. Gestern ist er überraschend in seinem Haus in Hamburg gestorben, mit 59 Jahren.

Als Hackmann zum Fußball kam, hatte er schon eine große Karriere hinter sich. Der diplomierte Kaufmann aus Hamburg arbeitete in den Siebzigern in der SPD- Bürgerschaftsfraktion mit, als Referent von Bürgermeister Hans-Ulrich Klose lernte er die Politik der Wichtigen kennen. 1988 wurde er Innensenator, in seine sechsjährige Amtszeit fiel die mit Polizeigewalt durchgesetzte Befriedung der besetzten Hafenstraße. Es war die Zeit, als Hackmann öffentlich Härte zeigte. „Im Sport geht es um Geschäft und Unterhaltung“, erinnerte er sich später. „In der Innenpolitik geht es um Menschenleben.“

Vielleicht hat der Sport Hackmann das gegeben, was er in der Politik irgendwann vermisste: zeitweilige Leichtigkeit. 1997 stieg Hackmann als Vorstandsmitglied bei seinem Lieblingsklub Hamburger SV ein, ein Jahr später brachte er es zum ersten bezahlten Vereinschef. Ohne ihn wäre die AOL-Arena nicht gebaut worden, ohne ihn hätte der deutsche Fußball noch amateurhafte Strukturen. Dem Spiel zuzusehen und gleichzeitig dessen ökonomische Bedingungen zu gestalten, das hat ihm Spaß bereitet. DFB-Präsident Theo Zwanziger sagt: „Sein Tod ist ein schwerer Verlust für den deutschen Fußball und die Liga.“ Die beiden Sonntagsspiele der Bundesliga begannen gestern mit einer Schweigeminute.

Viele, die Hackmann kannten, loben seine menschliche Kompetenz. In Gesprächen habe er genau zugehört und seine Meinung klar vertreten, ohne sich in Szene zu setzen. Wohl auch deshalb fiel 2000 die Wahl auf ihn, als die noch junge DFL einen diplomatischen, aber starken Kopf suchte. Ein Wort von Werner Hackmann galt; in der Sportpolitik ein wichtiger Wert. Akribisch und mit Geschick baute Hackmann die Position der DFL aus, erarbeitete den Grundlagenvertrag zwischen Liga und DFB, besserte ihn nach, wenn nach Ansicht der großen Klubs zu viel Geld zu den Amateuren floss. In der die Bundesliga bedrohenden Kirch-Krise behielt Hackmann die Übersicht, ebenso beim zähen Machtkampf um das Erbe des scheidenden DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder.

Vielleicht schaffte Hackmann das, weil er seine Leidenschaften nie seiner Funktion opferte. In seinem ländlich gestalteten Haus in Hamburg-Bergedorf kochte er gern und widmete sich der Hausarbeit, selbst wenn ein paar Kilometer entfernt gerade sein HSV spielte. „Ich empfinde es als große Erleichterung, dass ich nicht mehr für einen Verein verantwortlich bin“, hat er einmal erzählt. „So kann ich eine völlig andere, wirklich neutrale Blickweise einnehmen.“ Die soziale Verantwortung des Sports, von der viele Funktionäre reden, hat Hackmann wirklich vorgelebt. Erst an diesem Wochenende versandte die DFL ihr „Bundesliga- Magazin“, für das Hackmann einen Artikel zum Holocaust-Gedenktag verfasst hatte. Darin hob er die Projekte von Vereinen und Fans gegen Rassismus hervor. „Die Kontinuität und die Nachhaltigkeit unserer Aktionen halte ich für bedeutsam“, schrieb Hackmann in seinem letzten öffentlichen Text. „Die Bundesliga wird diesen Weg weitergehen – ganz sicher.“

Gestern Morgen erlag Werner Hackmann in seinem Haus dem Krebsleiden. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

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