• Der Fußball trotzt dem Bahnstreik Chelsea kommt nicht in Fahrt am „Boxing Day“

Sport : Der Fußball trotzt dem Bahnstreik Chelsea kommt nicht in Fahrt am „Boxing Day“

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Hohe Fußballkunst. Orlando Sa (l.) und seine Fulhamer Kollegen bereiteten Chelsea (r.: Luiz) unerwartet große Probleme. Foto: rtr
Hohe Fußballkunst. Orlando Sa (l.) und seine Fulhamer Kollegen bereiteten Chelsea (r.: Luiz) unerwartet große Probleme. Foto: rtrFoto: REUTERS

Die Entscheidung, dass es dieses Jahr ein weniger frohes Fest sein würde, fiel am 20. Dezember: die Gewerkschaft der Zug- und U-Bahnfahrer beschloss, am zweiten Weihnachtstag zu streiken. Der Arbeitskampf am „Boxing Day“, dem Tag, an dem früher Essenspakete an Arme verteilt wurden, sorgte für allgemeine Empörung. Denn er wurde als Angriff interpretiert, auf jene zwei traditionelle Lieblingsbeschäftigungen, die das Land auch in dieser schweren Krise zusammenhalten – Einkaufen und Fußball.

Tausende mussten so am Montag auf anderen Wegen zur Schnäppchenjagd in die Städte und zu den Spielen der Premier League in den Stadien finden. „Der Zeitpunkt dieses Streiks ist widerlich und zeugt von Eigensinn”, erregte sich Chelsea-Fan-Sprecher Darren Mantle vor dem 1:1 (0:0) im Derby gegen den FC Fulham an der Stamford Bridge. Ohne die öffentlichen Verkehrsmittel wurde die Anreise länger, beschwerlicher, was dem an sich schon äußerst mühsamen Unterfangen einen zusätzlich heroischen Anstrich verlieh. Nichts ist aus Sicht der Briten ja schöner, als sich selbst und dem Rest der Welt am 26. Dezember die eigene Leidensfähigkeit zu beweisen.

Der Termin mag äußerst kurios erscheinen, entspricht aber historischer Logik. Der Fußball konnte nur zum Lieblingssport der viktorianischen Arbeiterklasse werden, weil die Partien an Feiertagen ausgetragen wurden. Religion und Ball blieben seitdem eng verbunden. Viele große Fußballmannschaften begannen als Kirchenteams – wie der FC Fulham zum Beispiel, der 1879 als Fulham St Andrew’s Church Sunday School F.C. gegründet wurde. Unter dem Niederländer Martin Jol sind die Weißen höheren Weihen derzeit aber fern. Der von dem ägyptischen Millionär Mohamed Al-Fayed kontrollierte Klub ging als Tabellendreizehnter und mit einer miserablen Derby-Bilanz in das Match: der letzte Sieg in einem Auswärtsspiel bei Londoner Lokalrivalen lag sieben Jahre zurück.

Die blauen Nachbarn standen ebenfalls unter Druck. Trainer André Villas-Boas hatte es vergangene Woche als „Ehre und Privileg“ bezeichnet, sein Chelsea „auf so einem hohen Niveau spielen zu sehen“. Eine interessante Wahrnehmung nach zwei 1:1-Unentschieden in Folge.

John Terry, der sich demnächst wegen Rassismus-Vorwürfen vor Gericht verantworten muss, war in der Startelf, und Stürmer Fernando Torres, ewig außer Form, durfte sein erstes Ligaspiel seit acht Wochen von Anfang an bestreiten. Chelsea bemühte sich um Tempo, aber Fulham verschleppte geschickt. Doch dann erwachte das Match aus seinem Schlummer. Torres hielt den Ball und legte an der Strafraumgrenze für Juan Mata auf, der exakt ins Eck traf. Der Vorsprung währte neun Minuten. Clint Dempsey drückte den Ball nach Vorarbeit von Bryan Ruiz ins Netz. Der Rest war weitgehend uninspiriertes Anrennen der Hausherren mit einigen Zufallschancen und feinen Paraden.

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