Sport : Der ganz große Deal - 120 Millionen Mark für die "All Blacks"

Martin Pütter

London. In Deutschland ist die Rugby-Weltmeisterschaft nur ein Randereignis, doch das große kommerzielle Potenzial beim Kampf um die ovale Pille hat mittlerweile auch Adidas erkannt. Vor dem 4. Weltmeisterschaftsturnier , das am Wochenende in London mit den Halbfinals Australien gegen Südafrika und Neuseeland gegen Frankreich in die vorentscheidende Phase tritt, schloss der Sportartikelhersteller mit den "All Blacks" aus Neuseeland einen Ausrüstervertrag über 120 Millionen Mark für die nächsten fünf Jahre ab. Der größte Rugby-Deal aller Zeiten ist vergleichbar mit dem Vertrag, den Nike mit Brasiliens Fußballern geschafft hatte.

Adidas erhofft sich, mehr als bisher in die lukrativen Märkte des Fernen Ostens und der USA eindringen zu können. Auch der deutschsprachige Raum ist sportlich und kommerziell ein Zielmarkt. Doch während die Wachstumstendenz beim zweimaligen Weltmeisterschaftsteilnehmer USA und in China mit einer Million aktiver Spieler steigend ist, sieht die Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz weniger rosig aus. Zwar wird auch hier Rugby gespielt, doch die Ignoranz und das Halbwissen gegenüber der Sportart sind größer als in den USA, wo Rugby auch nur eine Randsportart ist.

Die Weltmeisterschaft hat sich innerhalb von zwölf Jahren erstaunlich entwickelt. Sie begann als Einladungsturnier für sechzehn Mannschaften, nun wurde zum ersten Mal die Teilnehmerzahl auf zwanzig Teams erweitert. Insgesamt 66 Verbände, darunter der Deutsche Rugby-Verband (DRV), hatten sich für die Qualifikation angemeldet. Während die Spiele der ersten Weltmeisterschaft 1987 in Neuseeland lediglich in siebzehn Ländern übertragen wurden, sind es diesmal 140 Länder. Der amerikanische Getränkehersteller Coca-Cola als einer der Hauptsponsoren sprach sogar vom "drittgrößten Weltsportanlass." Das Organisationskomitee ist da bescheidener: Es bezeichnet die Rugby-Weltmeisterschaft als viertgrößtes Sportereignis hinter Olympischen Spielen, Fußball- und Leichtathletik-Weltmeisterschaften.

Das kleine Wales ist das offizielle Veranstalterland. Doch die Waliser haben, vom 73 000 Zuschauer fassenden Millennium-Stadion in Cardiff abgesehen, zu wenige Arenen für ein Ereignis dieses Ausmaßes. Also baten sie die benachbarten Verbände England, Irland, Schottland und Frankreich, ebenfalls WM-Spiele auszurichten. Das Endspiel findet jedoch am 6. November in Cardiff statt.

Wenn es nach den britischen Wettbüros geht, werden sich dann die "All Blacks" und Australien gegenüberstehen. In Zukunft soll aber die Phalanx der traditionellen Rugby-Großmächte Australien, Neuseeland, Südafrika, England, Frankreich, Irland, Schottland und Wales aufgebrochen werden. Der Weltverband "International Rugby Board" (IRB) will erreichen, dass noch mehr Mannschaften zum Favoritenkreis für eine Weltmeisterschaft gehören. Erste positive Zeichen sind bereits vorhanden. In den Gruppenspielen gewann Außenseiter West-Samoa gegen Wales, und Argentinien erreichte durch einen 28:24-Erfolg über Irland sogar das Viertelfinale.

Bis eine deutsche Rugby-Nationalmannschaft zu solchen Erfolgen in der Lage ist, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern. Selbst der Weltverband "Internatinal Rugby Board" (IRB) ist da eher skeptisch, wie die Aussage seines PR-Managers Peter McMullan verdeutlicht: "Es ist durchaus möglich, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz international nie wettbewerbsfähig sein werden."

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