Sport : Der ganz normale Voodoo

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Busan (Tsp/dpa). Wenn Afrikaner einigermaßen erfolgreich Fußball spielen, dann muss Magie im Spiel sein. Das ist keine Klischeevorstellung unwissender Europäer. Das sehen viele Afrikaner selbst so. Und schließlich sind afrikanische Fußballer nicht weniger abergläubisch als Fußballer im Rest der Welt. Deshalb ist es kein Wunder, sondern völlig normal, dass zwei Voodoopriester der südafrikanischen Mannschaft bei ihrem WM-Auftakt geholfen haben. Die Herren Joe Nkosi und Lawrence Ngubane versetzten Gegner Paraguay mit ihren Beschwörungsformeln einen gehörigen Schrecken. Ein bisschen Kampfgeist der Kicker war dann auch noch dabei, und so schaffte das Team aus Südafrika in letzter Minute ein 2:2 (0:1) gegen die Südamerikaner.

Quinton Fortune von Manchester United verwandelte einen Foulelfmeter in der neunzigsten Minute. Eine solche Extremsituation zu meistern, ist selbst für erfahrene Fußballer Nervensache. Nicht für den vodoogestärkten Fortune: „Ich war mir so sicher, dass ich ihn dann reingehauen habe“, jubelte er nach seinem ersten Tor im 41. Länderspiel.

Paraguays Trainer Cesare Maldini war das Versagen seiner Mannschaft nicht geheuer. „Ich bin nicht enttäuscht, aber verwirrt“, sagte Maldini. „Wir haben 45 Minuten sehr gut gespielt und verdient mit 2:0 geführt. Dann sind wir zusammengebrochen.“ Immer wieder wischte sich der Italiener den Schweiß aus dem Gesicht. Mit Voodoo hatte er offenbar bislang keine Erfahrung. Der mit 70 Jahren älteste Coach des Turniers, der am Spielfeldrand trotz seines Alters umherhüpfte und wild mit den Armen ruderte, machte denn auch nicht die unterlegene Physis für das späte Remis als alleinige Ursache aus. „Wir waren mental kaputt“, sagte Maldini. „Wir sind vom Willen und von der Kraft der Südafrikaner überrollt worden.“

Vor lediglich 25 186 Zuschauern im 56 000 Plätze bietenden Asiad Main Stadium hatten der starke Roque Santa Cruz vom deutschen Rekordmeister Bayern München und Freistoß-Künstler Franciso Arce mit einem Schuss unter die Latte die Südamerikaner in Führung gebracht. Estanislao Struway, der einen Schuss des südafrikanischen Mittelfeldspielers Teboho Mokoena ins eigene Tor lenkte, ermöglichte nach gut einer Stunde das Anschlusstor und mobilisierte damit die letzten Kräfte der Afrikaner.

Südafrikas Trainer Jomo Sono wähnt sich nun auf dem besten Weg ins Achtelfinale: „Das war eine starke Vorstellung. So können wir die nächste Runde schaffen“, sagte der 46 Jahre alte Coach, der in seiner Heimat einen Fußball-Verein besitzt und „schwarzer Prinz“ genannt wird. Auch Fortune gab sich selbstbewusst: „Die Spanier haben zwar einen guten Ruf, aber sie sind zu schlagen.“

Roque Santa Cruz jammerte derweil: „Es tut sehr weh“, sagte der Nachwuchsstar des FC Bayern München. „Statt der erwarteten drei Punkte haben wir jetzt nur einen Zähler. Ein Sieg wäre die halbe Miete gewesen. Wir haben uns zu sehr hinten reindrücken lassen und dem Gegner zu viele Freiheiten gelassen.“

Cesare Maldini, der bei der Weltmeisterschaft 1962 für sein Heimatland Italien spielte und den dreifachen Weltmeister beim WM-Turnier 1998 in Frankreich als Trainer betreute, stellte seinem jetzigen Team ein schlechtes Zeugnis aus. „Italien ist cleverer“, sagte Maldini. Und katholisch mehr gefestigt. Von Voodoopriestern lässt sich dort niemand beeindrucken.

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