Sport : Der geduldete Chef

Ulrich Strombach bleibt trotz Korruptionsvorwürfen Handball-Präsident

Erik Eggers

Hamburg - Er hatte es nochmal geschafft, sehr deutlich sogar. Ulrich Strombach bleibt Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Auf dem Papier war alles klar. 95 der 111 Delegierten stimmten beim Bundestag des DHB in Hamburg für den 64-Jährigen. Doch die Kommentare vieler Delegierter zu diesem Votum waren ernüchternder. „Das ist aber nun wirklich das letzte Mal, dass wir ihn gewählt haben“, sagte ein Vertreter des Bayerischen Verbands.

Denn im Mittelpunkt der Diskussionen standen in Hamburg Korruptionsvorwürfe gegen Strombach und seine Vize-Präsidenten Horst Bredemeier (Leistungssport) und Wolfgang Gremmel (Finanzen). Hintergrund waren Berichte, wonach dieses Trio russischen Funktionären vor der Vergabe der WM 2005 insgesamt 50 000 US-Dollar für einen Verzicht des russischen Verbands auf eine WM-Bewerbung versprochen hatte. Und diese Summe, das gab Gremmel freimütig zu, wurde ohne Rücksprache mit den zuständigen DHB-Gremien gegeben. Der DHB verlor dennoch die Abstimmung, Tunesien durfte die WM ausrichten. Zudem war der DHB damals so klamm, dass er diese 50 000 Dollar nicht einmal hatte. 40 000 Dollar erhielt er vom Weltverband IHF vorgestreckt. Diese Nachrichten erzürnten viele Funktionäre.

In Hamburg bestätigte Strombach alle Einzelheiten, bestritt jedoch, die WM-Vergabe auf diese Weise „beeinflusst“ zu haben. Der russische Verband habe die Bewerbung vielmehr unter der Bedingung zurückgezogen, dass der DHB seine bis dahin entstandenen Unkosten übernehme. Diese Version war neu. In anderen Versionen hatte es geheißen, der DHB habe die 50 000 Dollar als „Werbemaßnahmen“ deklariert oder er habe Freundschaftsspiele der russischen Nationalmannschaft bezahlt.

Hinter den Kulissen murrten in Hamburg die Landes- und Regionalfunktionäre. Doch nur Kurt Hochstuhl, Präsident des Südbadischen Verbands, sprach den Fall öffentlich an. Er gestand, dass Kontrollmechanismen versagt hätten. Interessanterweise beklagten allerdings jene Delegierte, die sich nicht öffentlich meldeten, diese fehlende öffentliche Kritik. „Dies dokumentiert die Feigheit der Delegierten und ist Ausdruck der fehlenden Alternativen“, sagte ein Vertreter des Nordostdeutschen Verbands.

Von dieser fehlenden Alternative profitierte Strombach schließlich. Denn wenn die Delegierten ihn abgewählt hätten, hätte der Verband erstmal ohne Chef dagestanden und hätte damit noch mehr Schlagzeilen verursacht. Und das wollte auch keiner.Erik Eggers

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