Sport : Der gefühlte Aufstieg

Mit dem 3:0-Sieg über Verfolger Eintracht Braunschweig entfernt sich Hertha BSC von der Konkurrenz der Zweiten Liga.

von
Bahn frei. Ronny (links) erzielt das 1:0 für Hertha BSC, Omar Elabdellaoui und Domi Kumbela (rechts) stehen Spalier.Foto: dpa
Bahn frei. Ronny (links) erzielt das 1:0 für Hertha BSC, Omar Elabdellaoui und Domi Kumbela (rechts) stehen Spalier.Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Ein bisschen fühlte es sich gestern Abend im Olympiastadion schon wie Bundesliga an. 51 029 Zuschauer waren gekommen, um das Spitzenspiel der Zweiten Liga, um Hertha BSC gegen Eintracht Braunschweig spielen zu sehen. Die Stimmung auf den Rängen war von Beginn an bundesligareif, was sicherlich auch an der Kunde von der Vertragsverlängerung Ronnys bei den Berlinern lag. Der Brasilianer wird dem Noch-Zweitligisten ein paar weitere Sommer erhalten bleiben (siehe Text unten). Ab dem kommenden wird er seine Künste in der Bundesliga aufführen dürfen. Denn daran darf bei 14 Punkten Vorsprung des Tabellenführers auf den Relegationsplatz bei nur sechs ausstehenden Spielen nicht mehr gezweifelt werden. Der 3:0 (1:0)- Sieg war so etwas wie der gefühlte Aufstieg, auch wenn Jos Luhukay gewohnt bodenständig bleibt. „Wir konzentrieren uns weiterhin nur von Spiel zu Spiel“, sagte der Hertha-Trainer, „alles andere ist wenn und aber.“

Luhukay hatte derselben Mannschaft vom 2:0-Heimsieg über Bochum vertraut. Doch schon nach zehn Minuten musste Herthas Trainer umbauen. Da fuhren Sanitäter den auf einer Trage angeschnallten Peter Niemeyer aus der Arena. Herthas Kapitän war am Seitenaus auf Höhe der Mittellinie etwas sehr energisch in einen Luftkampf gegen den Braunschweiger Norman Theuerkauf gesprungen, die Köpfe der beiden Spieler knallten gegeneinander. Niemeyer, bei dem später im Krankenhaus eine schwere Gehirnerschütterung festgestellt wurde, musste minutenlang behandelt und schließlich durch Alfredo Morales ersetzt werden.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das unruhige und teilweise ruppige Spiel schon seine ersten zwei Torszenen gehabt. Auf Braunschweiger Seite verfehlte ein Fallrückzieher von Kapitän Deniz Dogan nur knapp das Hertha-Tor. Kurz darauf stieg Herthas Spielmacher Ronny seinem eigenen Freistoß nach und scheiterte aus spitzem Winkel an Torwart Daniel Davari.

Nach einer guten halben Stunde hatte der dritte Braunschweiger eine Gelbe Karte gesehen, den fälligen Freistoß aus dem linken Halbfeld wuchtete Ronny einfach mal ins Tor. Es war das 15. Saisontor des Brasilianers. Doch auch mit der Führung im Rücken konnte Hertha das Spiel noch nicht überzeugend an sich reißen. Der Tabellenzweite aus Braunschweig blieb gefährlich. Fünf Minuten vor der Halbzeit hatte Ermin Bicakcic den Ausgleich auf dem Kopf. Nach einem Freistoß war er freistehend in Herthas Strafraum zum Kopfball gekommen, der Ball strich hauchdünn am Pfosten vorbei. Thomas Kraft im Hertha-Tor wäre machtlos gewesen.

Im besten Fall kann Herthas Aufstieg in einer Woche auch rechnerisch vollzogen sein. Trotz des klaren Sieges zeigte das Duell mit Braunschweig aber auch, dass Luhukay jedes Spiel nutzen muss, um die Mannschaft weiter voranzubringen. In der Bundesliga warten andere Gegner, die energischer auftreten als die Braunschweiger. Bisweilen mangelt es den offensiven Aktionen der Berliner noch am Konkreten.

Wie etwa gleich zu Wiederbeginn des Spiels. Ersatzkapitän Peer Kluge hatte den Ball in der gegnerischen Hälfte erobert, energisch Fahrt aufgenommen und geradezu ideal auf Ronny quergelegt, doch dieser vergab diese selten gute Chance durch Lässigkeit. Umso größer war die Freude in der Ostkurve, als Adrian Ramos wenig später das vorentscheidende 2:0 nachholte. Es war ein Traumtor, das dem Kolumbianer da nach Ronnys Zuspiel gelang. Nach einem weiten Bogen, den er mit dem Ball am Fuß von der rechten Außenlinie zum Tor hin gesprintet war, lupfte er den Ball genau in jenem Moment am Braunschweiger Torwart vorbei, als dieser am wenigsten damit gerechnet hatte. Für Ramos war es der zehnte Saisontreffer.

Und so nahm auch dieser Sieg konkrete Form an. Während Luhukays Mannschaft das Spiel nun routiniert runterspielte, stimmten die Hertha-Fans bereits Gesänge wie „Nie mehr Zweite Liga“ an. Mitten in die Gesänge streute Ronny noch sein zweites Tor des Abends zum 3:0. Das heißt, Ronny katapultierte den Ball per Freistoß in die Maschen. Der Rest war eine gespielte und gesungene Vorfreude auf die kommende Spielzeit, eine Spielzeit in der Bundesliga.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben