Sport : Der Geist ist nicht willig

von

Markus Babbel konnte sein Glück vermutlich gar nicht fassen, als er die Resultate des Laktat-Tests zu Gesicht bekam. Die Werte ließen darauf schließen, dass die Fußballer von Hertha BSC die Sommerpause vornehmlich dazu genutzt hatten, ihre Fertigkeiten am Grillrost zu verbessern – und sie bescherten dem neuen Trainer der Berliner die unverhoffte Gelegenheit zu einem gut berechneten Wutausbruch: Babbel verhängte eine zusätzliche Trainingseinheit in den frühen Morgenstunden und positionierte sich gleich einmal als harter Knochen.

Zwei Jahre und einen Abstieg später kann einem diese Episode wieder in den Sinn kommen: als Babbels Nach-Nach- Nachfolger Jos Luhukay nach der 1:3-Niederlage beim FSV Frankfurt gegen seine Mannschaft pestete wie schon lange kein Trainer mehr. Nur dass der Holländer, anders als Babbel, dabei keinen besonders glücklichen Eindruck machte.

Fußballtrainer müssen immer auch ein bisschen Schauspieler sein, selbst spontane Wutausbrüche bedürfen guter Planung. Luhukay aber schauspielerte nicht. Seine Wut war echt. Und das macht es für Herthas Profis noch ein bisschen peinlicher. Gerade zwei Spiele in der Zweiten Liga haben sie gebraucht, um bei Luhukay grundsätzliche Zweifel an ihrer Berufseinstellung zu wecken. Das Schlimme ist: Die Berliner sind Wiederholungstäter. Offensichtlich hat sich die Nonchalance der Abstiegsmannschaft auch auf den neuformierten Kader übertragen.

Zum Glück sind es diesmal nicht bloß die Medien, die Herthas Spieler mit ihren Defiziten konfrontieren. Es ist mit Luhukay jemand aus dem inneren Zirkel, dessen Wort ein ganz anderes Gewicht hat. Herthas Trainer hat gesagt, dass er einen solchen Auftritt wie in Frankfurt am Main mit Rücksicht auf seine Gesundheit nicht noch einmal erleben wolle. Trotzdem könnte es sein, dass sich Luhukay in ein paar Monaten mit Freuden an jenen Sonntag im August erinnern wird. Herthas Spieler müssen nur die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben