Sport : Der Geist von Barop und andere Helfer

Dem Deutschen wird ein Hang zum Metaphysischen nachgesagt. Vor allem in Zeiten der Krise orientiert er sich an überirdischen Phänomenen. Im Moment zum Beispiel. Die Fußball-Nationalelf bangt um die Teilnahme an der WM, das Wohl unseres Landes steht auf dem Spiel, und ausschließlich auf die fußballerischen Fähigkeiten unserer Spieler wollen wir uns lieber nicht verlassen.

Gott sei dank hat die "Bild"-Zeitung bereits das Ihrige für einen Erfolg der Nationalelf getan. Vorige Woche hat ein Reporter im Stadion zu Kiew einen Glückspfennig im Rasen verbuddelt, und siehe: von genau dieser Stelle erzielte Ballack den Ausgleich. Seitdem liefert "Bild" täglich Neues vom Pfennig: Inzwischen ist er von Kiew nach Dortmund transportiert worden und steckt im Rasen des Westfalenstadions. Natürlich bangen wir noch ein bisschen, dass die Ukrainer nicht mit einem Geheimkommando den Untergrund pflügen, um den Pfennig aufzuspüren.

Rainer Holzschuh, Chefredakteur des sonst wenig visionären "Kicker", glaubt auch an übersinnliche Kräfte. Bei den Deutschen hat er den "Geist von Kiew" ausgemacht. Geister sind in deutschen Mannschaftshotels immer gerne gesehen. Der Vater aller Mannschaftsgeister, der Geist von Spiez, führte unsere Männer 1954 zum Titel. Wenn Völlers Team heute die Qualifikation schafft, dann wird sein Enkel, der Geist von Barop, daran mitgewirkt haben. In Dortmund-Barop ist die deutsche Elf diesmal untergekommen.

Aber Vorsicht! Schlechte Schwingungen könnten den Geist von Barop verscheuchen. Eine Feng-Shui-Spezialistin hat im Auftrag von "Sport-Bild" das Westfalenstadion vermessen und negative Ströme auf der deutschen Bank und in der deutschen Kabine geortet. Außerdem wird die Arena, wie wir ebenfalls "Sport-Bild" entnehmen, derzeit von 50 verwilderten Tauben heimgesucht. Tauben? Uns schaudert. Das sind Sendboten des ... Gottseibeiuns.

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