Sport : Der gelobte Tag

Robert Ide

über eine Bescherung am 1. Februar Heute ist gar nicht Weihnachten. Geschmückte Krippen vor den Kirchen, fromme Gesänge in den Familien, duftende Tannen in den Zimmern – das alles ist nur eine süße Täuschung.

Der gelobte Tag ist der 1. Februar. Dann endlich gibt es Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu kaufen. Dann endlich können sich Fans, die ihre Verwandten vor vier Jahren noch mit Aktien von Borussia Dortmund beglücken mussten, wahre Wertpapiere schenken. Oder etwa nicht?

Seit Wochen kündigt sich die große Bescherung an – mit einer öffentlichen Hysterie, die wohl nur mit dem Weihnachtsschlussverkauf an Heiligmorgen vergleichbar ist. Sondertickets für Politiker! Fast ein Drittel Sponsorenkarten! Kein Auktionshandel im Internet! Jeden Tag durchrüttelt Deutschland die Angst: Von den 3,2 Millionen Eintrittskarten für die WM bekommt niemand eine ab. Oder etwa doch?

Am 1. Februar ist der gelobte Tag. Dann stimmen die Menschen fromme Fangesänge an. Dann beten sie, dass sie ein Wertpapier zugelost bekommen. Endlich ist Bescherung.

Hoffentlich macht bis dahin der Weihnachtsbaum nicht schlapp.

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