Sport : Der Geruch des fremden Stalls

Klinsmann will Hockey-Trainer Peters zur Nationalelf holen – der DFB ist davon nicht begeistert

Stefan Hermanns,Robert Ide[Frankfurt am Main]

Uschi Schmitz fand die überraschende Nachricht „nicht unbedingt überraschend“. Die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) hat gestern erfahren, dass sie möglicherweise ihren wichtigsten Angestellten verlieren wird: Bernhard Peters, der Trainer der Hockey-Nationalmannschaft, soll im Herbst neuer Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden. Das ist der Wunsch von Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff, der sportlichen Leitung der Fußball-Nationalmannschaft.

„Änderungen haben die beste Wirkung, wenn man sie überraschend ansetzt“, hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann einmal gesagt. Das trifft auch auf die Personalie Peters zu. Der Hockey-Bund war vorab weder vom DFB noch von Peters informiert worden; erst gestern teilte Peters seinem Verband mit, dass er ein Kandidat für den Posten beim DFB sei. Öffentlich wollte er sich nicht äußern. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, vertrat gestern in Frankfurt am Main vehement die Idee der sportlichen Leitung. „Für viele ist es vielleicht erschreckend, dass Peters kein Fußballtrainer ist, aber wir tun gut daran, uns zu öffnen.“ Die Frage ist, ob der DFB das auch so sieht.

Beim Verband gibt es zumindest die Befürchtung, dass der Bundestrainer mit einem Sportdirektor Peters seine Macht ausbaut. Klinsmann behauptete gestern, es habe bereits „sehr, sehr positive Gespräche mit dem Präsidium“ des DFB gegeben. Dadurch, dass der Name vorzeitig an die Öffentlichkeit geraten ist, ist der Streit brisanter.

So war es auch vor einem Jahr mit dem ersten Kandidaten Berti Vogts. Klinsmann und Bierhoff haben nicht nur gefordert, den Posten des Sportdirektors einzurichten; sie haben sich auch für den früheren Bundestrainer eingesetzt. Die Installierung von Vogts scheiterte jedoch am Widerstand des DFB. Der zweite Kandidat, Klinsmanns früherer Mitspieler Guido Buchwald, zog von sich aus seine Kandidatur zurück. Bis Ende des Monats soll nun eine Entscheidung fallen. „Wir haben eine Verabredung mit der sportlichen Führung, gemeinsam über die Personalie zu entscheiden“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, „daran werden wir nichts ändern“. Peters sei ein ausgezeichneter Mann, sagte Zwanziger, man müsse aber auch die fußballerische Seite sehen. „Der neue Sportdirektor muss auch Stallgeruch haben.“ DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt hält Peters daher für „nicht leicht durchsetzbar“.

Der 45 Jahre alte Peters arbeitet seit 20 Jahren für den DHB und hat in dieser Zeit zwölf Titel geholt, zuletzt vor anderthalb Wochen bei der Hallen-EM in Eindhoven. Seit 2000 trainiert er die Nationalmannschaft der Männer, die mit ihm 2002 – zum ersten Mal überhaupt – den WM-Titel gewann. Sein Manko: Peters hat, abgesehen von wenigen Hospitanzen bei Borussia Mönchengladbach, Mainz 05 und Schalke 04, keine Erfahrungen im Fußball. „Wir sollten nicht das Selbstverständnis haben: Wir als Fußballer wissen alles am besten“, sagt Klinsmann. „Wir brauchen eine gewisse Offenheit für Leute aus anderen Bereichen.“

Die sportliche Leitung hat das Anforderungsprofil an den Sportdirektor so weit geändert, dass es Peters als Kandidat zumindest nicht ausschließt. Bierhoff spricht daher lieber vom Technischen Direktor. „Es ist ein Irrglaube, dass der Technische Direktor ein Trainer sein muss“, sagt er. „Er muss eher ein Manager sein.“ Der neue Direktor soll die Trainer des DFB ausbilden, eine einheitliche Trainingslehre aufstellen und die Leistungsdiagnostik verbessern. Davon, dass er übergangsweise auch die Nationalelf trainieren können soll, ist inzwischen keine Rede mehr. Vieles von dem, was Klinsmann und Bierhoff von dem Direktor erwarten, hat Peters im DHB längst umgesetzt. Der Verband gilt, auch dank Peters, als innovativ.

Jürgen Klinsmann hat in dem Hockey- Bundestrainer einen geschätzten Gesprächspartner gefunden, von dem er sich regelmäßig Ratschläge holt. Beide haben sich erstmals im September 2004 getroffen. Peters hat schon häufiger mit einem Wechsel in den Fußball geliebäugelt. Bei der Fußballlehrer-Ausbildung des DFB tritt er regelmäßig als Referent auf, seine Affinität zum Fußball „ist ein Thema, das es schon länger gibt“, sagt Uschi Schmitz vom DHB. Sie macht sich keine Illusionen, dass sie Peters mit Verweis auf den bis 2008 laufenden Vertrag wird halten können: „Wir sind ja nicht weltfremd.“

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